Was die Reform des Punktsystems ändert und wie die Kfz-Versicherung sicheres Fahrverhalten belohnt

25. April 2014 | Autor: Redaktionsteam Hannoversche | Kommentare: 0 | Bewertung: Bitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung ab (1)

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Das lange Zerren um die Reform des Flensburger Punktesystems hat ein Ende – der Bundesrat hat zugestimmt und zum 1. Mai 2014 tritt die neue Punkteregelung in Kraft. Verkehrsminister Peter Ramsauer hat damit den größten Umbruch seit 50 Jahren durchgesetzt. Das Ziel: Die Verkehrssünderdatei transparenter, einfacher und gerechter machen! Gefährliches Verhalten soll künftig schärfer bestraft werden, für reine Ordnungswidrigkeiten gibt es bald keine Punkte mehr. Aber wer darf sich wirklich über das neue System freuen? Was passiert mit bestehenden Punktekonten und wie können Sie bei Ihrer Kfz-Versicherung mit umsichtiger Fahrweise richtig punkten?

Das Verkehrszentralregister bekommt einen neuen Namen – ab Mai 2014 heißt die Verkehrssünderdatei in Flensburg „Fahrereignungsregister“. Aber der Name ist längst nicht alles, was Autofahrer an Neuerungen erwartet. Die Ahndung verschiedener Verkehrsdelikte – von der einfachen Ordnungswidrigkeit bis hin zur gefährlichen Straftat – wird einem völlig neuen System folgen.

Das neue Punktesystem zielt auf die notorischen Verkehrsrowdys. Wer andere im Straßenverkehr gefährdet, bekommt schneller Punkte, behält diese länger und wird die ungeliebten Einträge nicht mehr so einfach los. Ordnungswidrigkeiten, die zuvor ebenso mit Punkten abgestraft wurden, werden nun nicht mehr bepunktet – mit Geldbußen und Verwarnungen müssen Autofahrer aber weiterhin rechen. Grundlegend gilt: Ab acht Punkten ist der Führerschein bald weg. Zuvor durften Verkehrssünder fleißig bis zu 18 Punkte sammeln. Dabei soll aber die Häufigkeit der Einträge und nicht allein der Punktestand entscheiden, wer verkehrspsychologisch betreut werden soll, wer seinen Führerschein ganz verliert und wer mit dem Besuch von Seminaren eine zweite Chance bekommt. Für notorische Rowdys auf der Straße wird es in Zukunft keine Möglichkeit mehr geben, sich über freiwilliges Nachsitzen in Abbauseminaren von den Punkten freizukaufen.

Wussten Sie schon, dass im Moment in Deutschland etwa 47 Millionen Flensburger Punkte vergeben sind?
Und wussten Sie, dass viele Autofahrer nach der Neuerung ganz aus der Kartei fallen?

Das neue Flensburger Punktesystem – so funktioniert der Punktetacho

Punktetacho des neuen Flensburger Punktesytems

Im neuen Punktesystem gibt es maximal acht Punkte. Für Auffälligkeiten im Straßenverkehr kassieren Autofahrer nun einen, zwei oder drei Punkte – je nach Schwere des Vergehens. Nach dem alten System konnten bis zu sieben Punkte auf einen Schlag gesammelt werden.
Bepunktet wird ab Mai so:

  • Einen Punkt kassieren Autofahrer künftig für Sünden, die mit Bußgeldern ab 70 Euro belegt sind. Wer Feuerwehrzufahrten zuparkt oder mindestens 20 km/h zu schnell in geschlossener Ortschaft fahrt, erhält zum Beispiel diesen einen Punkt.
  • Zwei Punkte werden für Verkehrsdelikte verhängt, die mit einem Fahrverbot bestraft werden oder bei Straftaten. Über Rot fahren, Drängeln etc. beschert nun zwei Punkte.
  • Die höchste Punktzahl gibt es ab Mai für all die Vergehen, die zusätzlich eine Entziehung des Führerscheins nach sich ziehen. Unfallflucht, unterlassene Hilfeleistung oder Fahren im Vollrausch (ab 3,0 Promille) erhalten diese Höchststrafe aus Flensburg.

Zur Veranschaulichung des eigenen Punktestandes dient der Punktetacho, der in den Farben Grün, Gelb und Rot den aktuellen Status in der Verkehrssünderdatei aufzeigt. Bei ein bis drei Punkten haben Fahrer den Status Grün und sind damit zunächst nur vermerkt. Bei vier bis fünf Punkten befinden Sie sich bereits im gelben Bereich – dem Status einer Ermahnung. Kritisch wird es im roten Tachobereich. Wer sechs bis sieben Punkte sammeln konnte, ist verwarnt. Bei acht Punkten steht der Tacho auf schwarz – Führerscheinentzug.

Kleinere Vergehen jetzt nur noch mit Geldstrafe

Im Gegensatz zur alten Regelung gibt es nun viele kleinen Sünden im Straßenverkehr, die nicht mehr mit Punkten vermerkt werden. Lediglich Bußgelder und Verwarnungen gibt es in Zukunft für diese Straftaten:

  • Beleidigung im Straßenverkehr
  • Fahren ohne Kfz-Haftpflicht
  • Kennzeichenmissbrauch sofern ohne Fahrverbot
  • Unfallflucht nach Parkrempler sofern ohne Fahrverbot
  • Unfall mit leichter Verletzung sofern ohne Fahrverbot

Und für diese Ordnungswidrigkeiten:

  • Unberechtigtes Fahren in der Umweltzone
  • Fahren mit unleserlichem Kennzeichen
  • Verstoß gegen eine Fahrtenbuchauflage
  • Verstoß gegen das Sonn- und Feiertagsverbot für LKW

Wer also noch früher oft Gefahr gelaufen ist, für derartige Verkehrsvergehen Punkte zu sammeln, kann ab Mai aufatmen – jedoch nicht ganz. Gegen bisherige Versprechen wird doch nicht auf eine Erhöhung der Bußgelder verzichtet. Aber was genau wird teurer?

  • Wer ohne Freisprechanlage mit dem Handy telefoniert, zahlt 60 Euro anstatt bisher 40 Euro.
  • Wer nicht ordnungsgemäß auf Winterreifen fährt, muss ebenso 60 Euro statt 40 Euro zahlen.
  • Ein Vorfahrtsverstoß kostet nun 70 Euro statt 50 Euro.
  • Eine Gefährdung von Fußgängern wird bald mit 60 statt 40 Euro bestraft.
  • Wer länger als 8 Monate die TÜV-Untersuchung überzieht, muss 60 Euro statt der bisherigen 40 Euro zahlen.

Was mit den bestehenden Punkten passiert und wie Sie noch vor der Umrechnung profitieren können

Wie werden die alten Punktestände überführt

Wer bereits acht oder mehr Punkte auf dem Flensburger Konto angesammelt hat, muss jetzt nicht in Panik geraten – der Führerschein wird Ihnen im Mai nicht entzogen. Die bestehenden Punkte werden nach einer einfachen Rechnung in das neue System übertragen. Viele hatten auf eine generelle Amnestie gehofft – wie erwartet tritt diese aber nicht ein. Trotzdem werden wohl Hunderttausende Menschen ganz aus der Datei fallen, denn für Vergehen, die bisher bepunktet wurden, nach der neuen Regel aber nicht, müssen die Punkte gelöscht werden. Alle übrigen Punkte werden wie folgt umgerechnet:

  • 1-3 alte Punkte = 1 Punkt im neuen System
  • 4-5 alte Punkte = 2 Punkte im neuen System
  • 6-7 alte Punkte = 3 Punkte im neuen System
  • 8-10 alte Punkte = 4 Punkte im neuen System
  • 11-13 alte Punkte = 5 Punkte im neuen System
  • 14- 15 alte Punkte = 6 Punkte im neuen System
  • 16-17 alte Punkte = 7 Punkte im neuen System
  • 18 alte Punkte = 8 Punkte im neuen System

Wem also der Führerscheinentzug bisher drohte, dem hilft die neue Regelung nicht weiter.

Wussten Sie schon, dass künftig rund eine Million Menschen weniger in der Datei stehen sollen?
Und wussten Sie, dass dabei die Anzahl der entzogenen Führerscheine um etwa 10 % steigen wird?

Wie Sie Punkte abbauen können und wann die Punkte künftig verfallen

Neuerungen in puncto Punkteabbau, freiwilliger Seminare und Pflichtschulungen sind die logische Konsequenz aus der neuen Punkterechnung. Bisher war es so, dass Autofahrer durch freiwilliges Nachsitzen und gegen eine Gebühr Punkte in einem Aufbauseminar in der Fahrschule abbauen konnten. Bei acht Punkten und weniger konnten Sie so vier Punkte abziehen lassen. Bei 9-13 Punkten wurden noch zwei Punkte gutgeschrieben. Bei 14 Punkten wurde die Teilnahme zur Pflicht, sollte der Führerschein nicht entzogen werden – eine Gutschrift auf das Punktekonto gab es dann nicht mehr.

Die neue Regelung sieht jetzt vor, dass schon bei sechs Punkten ein Seminar angeordnet wird. Dieses wird aus zwei Kursen in der Fahrschule und drei Einzelgesprächen beim Verkehrspsychologen bestehen. Diese neue Form der Präventionen bei Verkehrsteilnehmern, denen der Führerscheinentzug droht, beinhaltet jetzt pädagogische und psychologische Elemente, die kombiniert werden.

Viele, die seit längerer Zeit beabsichtigen, freiwillig Punkte abzubauen, fragen sich nun, ob ein Seminar vor Mai noch lohnt. Diese Frage lässt sich nur für den Einzelfall beantworten. Grundsätzlich ist es nach neuem Gesetz so, dass die freiwillige Seminarteilnahme nur noch bei maximal fünf Punkten, also innerhalb der Ermahnungsstufe der neuen Regelung möglich ist. So können Sie einen Punkt abbauen, das aber auch nur noch alle fünf Jahre.

Zentraler Vorteil des neuen Gesetzes – feste Tilgungsfristen und Wegfall der Überliegefrist

Vergleich der alten und neuen Tilgungsfristen für die angesammelten Punkte

Übersichtlicher, einfacher, fairer – das verspricht die Punkteneuerung zu sein. In Bezug auf die Tilgungsfristen trifft das zu. Jeder einzelne Punkt folgt nun seiner eigenen Tilgungsfrist und verfällt damit separat. Die Tilgung kann sich nicht mehr durch neue Ordnungswidrigkeiten verzögern – diese sogenannte Überliegefrist fällt weg. Ein wichtiger Unterschied zum alten System sind aber die Fristen für den Verfall einzelner Punkte. Punkte für schwere Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung werden nach 2,5 Jahren getilgt, besonders schwere nach fünf Jahren. Für Vergehen wie Alkohol am Steuer, schwere Nötigung, unterlassene Hilfeleistung oder Unfallflucht gibt es drei Punkte, die dem Täter für ganze zehn Jahre erhalten bleiben.

Wie die Kfz-Versicherung achtsames Verhalten im Straßenverkehr honoriert

Punkte gibt es in Zukunft nur noch für Verhaltensweisen am Steuer, die wirklich eine Gefahr für die allgemeine Verkehrssicherheit darstellen. Wer nun einmal versehentlich ohne entsprechende Umweltplakette in die Umweltzone fährt, erhält keinen Punkt. Umso leichter ist es nun für alle Verkehrsteilnehmer, künftig punktefrei von der reinen Weste im Straßenverkehr zu profitieren. Wer sich als gefahrenbewusster und umsichtiger Fahrzeugführer zeigt, kann bei der Kfz-Versicherung einiger Anbieter auf Vergünstigungen und angepasste Tarife hoffen. Andererseits müssen notorische Verkehrssünder im Straßenverkehr auch beim Versicherungsschutz mit Konsequenzen rechnen. Grundsätzlich misst sich der Versicherungsbeitrag aber an der Schadensfreiheit. Wer vorausschauend und verantwortungsbewusst fährt und keine Unfälle verschuldet, kann sich über niedrige Beiträge freuen.

Wer beispielsweise unter Alkoholeinfluss einen Unfall verursacht, handelt grob fahrlässig und riskiert die Kündigung seiner Versicherung. Es ist aber nicht allein die Kündigung, die ein grob fahrlässig Handelnder zu befürchten hat: Die Kfz-Haftpflichtversicherung kann in diesem Fall Leistungen kürzen oder verweigern. Im ersten Schritt werden Schäden Dritter zwar beglichen, Kosten können aber vom Versicherungsnehmer zurückgefordert werden. Schäden am eigenen Fahrzeug, selbst wenn es Vollkasko versichert war, werden in diesem Falle nicht übernommen.

Fazit

Jeder, der mit einem Fahrzeug am Straßenverkehr teilnimmt, sollte sich also bewusst machen, was regelwidriges Verhalten an Konsequenzen nach sich ziehen kann. Die neue Regelung erleichtert es, den Dschungel an Verkehrssünden zu durchblicken und macht es einfacher, die eigene Punktebilanz im Auge zu behalten. Jeder neu erworbene Punkt steht ab Mai 2014 für ein gefährdendes Vergehen im Straßenverkehr. Niemand wird demnach für leichte Ordnungswidrigkeiten mit Punkten abgestraft und es sollte das Ziel sein, punktefrei im Straßenverkehr unterwegs zu sein. Wer achtsam und umsichtig fährt, kann in Flensburg im positiven Sinne punkten.

Weiterführende Links zum Thema

Vorstellung des neuen Fahreignungs-Bewertungssystem vom Bundesamt für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)
http://www.bmvi.de/DE/VerkehrUndMobilitaet/Verkehrsteilnehmer/Fahreignungsregister/fahreignungsregister_node.html

PDF-Sammlung des Kraftfahrtbundesamt (KBA)
http://http://www.kba.de/DE/Service/Veroeffentlichungen/veroeffentlichungen_oeffentlichkeitsarbeit_tab.html

Abfrage des aktuellen Punktestandes beim Kraftfahrtbundesamt (KBA)
http://http://www.kba.de/DE/ZentraleRegister/FAER/Auskunft/faer_auskunft_node.html

 

Quelle: Bild oben © benjaminnolte – Fotolia.com


Kategorien: Allgemein

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