Zero Waste – ein Zeitgeistphänomen mit echter Relevanz

In Deutschland produzieren wir jährlich etwa 220,5 kg Müll pro Kopf (Umweltbundesamt Stand 2016). Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze der Müllproduzenten. Dass unser Planet mit den Müllmassen auf Dauer überfordert und sogar gefährdet ist, wissen wir seit Jahrzehnten und doch haben wir – zumindest im großen Stil – lange nicht entsprechend gehandelt. To-Go-Becher, Plastikstrohhalme und Plastiktüten waren lange Zeit selbstverständlich. Mit der Zero Waste-Bewegung entwickelt sich ein neuer Zeitgeist und ein Bewusstsein für vermeidbaren Müll.

Wofür steht Zero Waste?

Wörtlich übersetzt bedeutet es „Null Abfall“. Gemeint ist damit, einen Lebensstil zu leben, in dem so wenig Müll wie nur irgendwie möglich produziert wird. Wiederverwendbare Einkaufstaschen, Glas- statt Plastikflaschen und waschbare Bambus-Pads anstelle von Wattepads sind auf dem Vormarsch. Dort wo es sich bislang nicht oder nur schwerlich vermeiden lässt, Müll zu produzieren, kommen Recycling, Wiederverwendung und die Suche nach Alternativen ins Spiel.

Was sind die Folgen der wachsenden Müllmassen?

Im Alltag denken wir häufig gar nicht darüber nach, was wir unserer Erde antun. Hunderttausende Meeresbewohner und Millionen von Seevögeln verenden jedes Jahr durch unseren Plastikmüll.

Eine einzige Plastikflasche braucht 450 Jahre bis sie sich vollständig zersetzt hat. Weltweit gibt es mittlerweile fünf gigantisch große Plastikinseln im Meer. Sehr erschreckend ist die Prognose von Wissenschaftlern, dass wir bei gleichbleibendem Konsum im Jahre 2050 etwa dreimal soviel Plastik im Meer haben werden als Fische.

Einige Meeresbewohner tragen ohnehin schon Plastik in sich, weil sie die Plastikteilchen für Nahrung halten oder weil sie durch ihre Kiemen in ihren Organismus gelangen. Das Plastik im Gewebe sorgt für Entzündungen und eine hohe gesundheitliche Belastung. Durch den Verzehr von Fisch gelangt das Mikroplastik auch in unsere Nahrungskette.

Auch Kosmetika beinhalten Plastikteilchen, die für uns gar nicht erkennbar sind. Viele Sonnen-, Gesichts- und Körpercremes enthalten Spuren von Mikroplastik. Und auch Einwegflaschen aus Plastik geben mit der Zeit Mikroplastik an ihre enthaltenen Flüssigkeiten ab, die wir dann trinken.

Zero Waste – wie geht das?

Menschen, die nach Zero Waste leben, befolgen üblicher Weise fünf Regeln – die sogenannten „fünf R“:

Refuse = Nicht annehmen / verweigern
Müll gar nicht erst entstehen lassen. Vermeiden Sie direkt schon beim Einkaufen, dass Verpackungen o.ä. in Ihrem Einkaufswagen landen. Dinge wie Servietten, Kassenbons und Werbung – die man nicht unbedingt benötigt – abzulehnen, ist schon einmal ein guter Anfang. Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld und machen Sie Ihre Mitmenschen freundlich darauf aufmerksam. Vielen ist der Wert ihrer individuellen Müllersparnis nämlich noch gar nicht klar.

Reduce = Reduzieren
In unseren Haushalten, gibt es vielerorts Dinge, die wir gar nicht verwenden oder nicht mehr brauchen. Häufig ist der Wunsch etwas zu besitzen, größer als der echte Nutzen. Neuware muss produziert, verpackt und transportiert werden und allein dieser Prozess produziert bereits Unmengen an Müll. Mit ein Grund, warum sich Verkaufsbörsen, Second Hand-Geschäfte und Flohmärkte wieder größerer Beliebtheit erfreuen. Schließlich müssen Anschaffungen nicht immer neu sein.

Wer seinen Besitz um die Dingen reduziert, die er nicht mehr nutzt, verschafft sich einen besseren Überblick und ist häufig auch auf Dauer mit weniger zufrieden. Marie Kondo lässt grüßen. Aber Vorsicht: Wer ausmistet, muss Überflüssiges nicht einfach wegwerfen. Verkaufen, Verschenken oder auch Tauschen sind sinnvolle und umweltschonende Alternativen.

Re-use = Wiederverwerten / reparieren
Das Schlüsselwort lautet Mehrweg. Einwegprodukte sind großartig für die Industrie. Sie müssen ständig nachgekauft werden. Für viele Einwegprodukte gibt es mittlerweile sehr gute und umwelt- sowie müllvermeidende Alternativen.

Ein paar Beispiele:

  • Statt To-Go-Becher = Thermosbecher
  • Statt Wattepads = Stoffpads oder wiederverwendbare Abschminkprodukte
  • Statt Teebeutel = Tee-Sieb
  • Statt Küchenrolle = Baumwolltücher oder Geschirrhandtücher
  • Statt Backpapier = Dauerbackmatte
  • Statt Papier- und Plastiktüten = Stoffbeutel oder Netze (auch beim Bäcker und Obstkauf)

Recyceln = Zurückgewinnen
Recyceln bezeichnet die Rückgewinnung von Wertstoffen aus Abfall und ist ein Aspekt des nachhaltigen Lebens. Wichtig für das Recycling ist die Mülltrennung. Dennoch ist Recycling nicht die Königsdisziplin im Sinne von Zero Waste, denn Recycling verbraucht Energie und Rohstoffe gehen verloren. Zudem können viele Materialien wegen ihrer Komplexität nicht in gleicher Qualität aufgearbeitet werden (z.B. Kunststoffe).

ROT = kompostieren
„Rot“ ist das englische Wort für „verrotten“. Wer seinen Müll trennt und eine Biotonne nutzt, sorgt dafür, dass ihr Inhalt in Biogasanlagen verwertet wird und letztlich der Strom- und Wärmeerzeugung dient.

Privathaushalte können zudem einen Komposthaufen anlegen und ihren Biomüll selbstständig kompostieren. Etwas weniger geläufig sind die „Wurmkisten“. Dies sind Kisten, die aus mehreren Ebenen Erde und einer Menge Würmern besteht. Diese großartigen kleinen Helfer fungieren als kleine Kompostiermaschinen, denn sie zerfressen Ihren Biomüll und verarbeiten ihn zu Erde und Dünger.

Wie können Unternehmen ihren Beitrag leisten?

Nicht nur Privatpersonen und Privathaushalte produzieren zu viel Müll, sondern auch Unternehmen. Trotz des Trends „Papierloses Büro“ macht Papier heute noch knapp 90 Prozent der Büroabfälle in Deutschland aus. Hier ist Umdenken gefragt! Muss wirklich jede Präsentation oder jede E-Mail ausgedruckt werden?

Wo sich das Drucken nicht vermeiden lässt, ist die Investition in moderne Tintenstrahldrucker zu empfehlen, denn sie produzieren weniger Abfall und verbrauchen weniger Strom und Patronen als ihre Vorgänger.

Auch Ihr Unternehmen kann seinen Beitrag leisten und zwar schon mit kleinen Veränderungen:

  • Arbeitsmaterialien sowie Büromöbel aus recyceltem bzw. recycelbarem Material
  • Die FSC®-Zertifizierung auf Papier- und Holzprodukten garantiert nachhaltige Quellen
  • E-Mails nicht ausdrucken – möglichst vieles digital ver- und bearbeiten
  • Einmalige hochwertige Ausrüstung, anstelle von vermeintlich günstigen Verbrauchsgegenständen, wie z.B. Billig-Kugelschreiber
  • Ökologische Materialien bei Werbegeschenken kann als gute Unternehmens-PR wirken
  • Fensterbriefumschläge vermeiden, diese sind aufgrund ihres Plastikfensters sehr schwer zu recyceln
  • Einen vernünftigen Kaffeevollautomaten anstelle von Kaffeekapseln
  • Wasserspender, an denen sich jeder seine Flaschen auffüllen kann (ohne Einwegbecher)

Grundsätzlich gilt: Verwenden Sie auch im Büro Dinge nach Möglichkeit mehrfach. Nicht mehr benötigte Ausdrucke können zum Beispiel als Schmierzettel ihren zweiten Dienst leisten. Und auch Kartons und Umschläge können häufig mehrfach verwendet werden.

Wichtig: Einfach anfangen!

Wenn Sie sich mit dem Thema Zero Waste befassen, ein Bewusstsein für den Umgang mit Wertstoffen entwickeln und darauf achten, weniger Müll zu produzieren, machen Sie einen entscheidenden ersten Schritt. Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck, wie so oft, ist auch die alltägliche Müllreduzierung ein Prozess. Alte Gewohnheiten müssen erstmal erkannt und dann Schritt für Schritt umgestellt werden.

Sie werden sehen, mit der Zeit werden Sie Freude daran entwickeln, immer mehr Möglichkeiten zur Müllvermeidung zu entdecken und ihre Umwelt mit anderen Augen sehen.

Und was macht die Hannoversche?

Einweg-Kaffeebecher hat die VHV Gruppe an ihrer hauseigenen Kaffeebar kostenpflichtig gemacht und seither zig tausende To-Go-Becher eingespart. Im Unternehmen werden Multifunktionsdrucker genutzt, die an verschiedenen Schlüsselpunkten im Haus aufgestellt sind – so nutzt eine hohe Personenzahl in Summe deutlich weniger Geräte als zuvor. Und auch die papiersparende Arbeit ist in den Köpfen der Mitarbeiter bereits angekommen.

Natürlich ist als Versicherung der Postweg manchmal noch unvermeidlich – doch auch die Hannoversche arbeitet an der stetigen Digitalisierung ihrer Prozesse. Schon heute ist beispielsweise der Online-Abschluss einer Risiko­le­bens­versicherung, Restschuld­versicherungBerufsunfähigkeitsversicherung oder einer Sterbegeld­versicherung möglich. Adressänderungen können ebenfalls online mitgeteilt werden und viele weitere Maßnahmen werden in den kommenden Jahren eine weitere Digitalisierung erfahren. Für Sie als Kunden bringt das vor allem Zeitersparnis und mehr Komfort. So haben alle etwas davon – auch unsere Umwelt.

Foto: ©Evrymmnt