Benzin oder Diesel: Ein Vergleich zeigt, was besser ist

Nicht nur hinsichtlich der Kosten für die Versicherung gibt es einen Unterschied zwischen Benzin und Diesel: Diesel ist günstiger und gleichzeitig verbrauchen die Motoren weniger Kraftstoff. Noch ist der Dieselmotor ein Verkaufshit: In Deutschland wurden in den vergangenen 20 Jahren immer mehr Selbstzünder verkauft. Im Januar 2013 waren es erstmals mehr (50,2 Prozent) als Fahrzeuge mit Ottomotor – die Gründe sind einleuchtend. Doch der Diesel stößt an seine Grenzen, moderne Benziner werden immer spritsparender. Gilt die alte Faustformel noch? Zeit für einen aktuellen Vergleich!

In den vergangenen Jahren galt die Faustformel: Ab einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern lohnt die Anschaffung eines Diesel-Fahrzeugs. Der niedrigere Spritpreis, verbunden mit dem geringeren Verbrauch rechnet sich gegen den höheren Anschaffungspreis und höhere Steuern.

Kriterien für den Vergleich von Benzin und Diesel

Insgesamt müssen beim Vergleich von Benzin und Diesel folgende Kriterien berücksichtigt werden:

  • Kosten für den Kraftstoff
  • Verbrauch
  • Kosten für die Anschaffung
  • Wirtschaftlichkeit
  • Kosten für die Kfz-Versicherung
  • Kosten für die Kfz-Steuer
  • Die jährliche Laufleistung & das Fahrverhalten: Kurz- oder Langstrecke

Wussten Sie schon, dass die Beliebtheit des Dieselmotors ein europäisches Phänomen ist? In den USA fahren weniger als drei Prozent mit Diesel.

Kraftstoffpreis: Vorteil Diesel
In der Vergangenheit war Diesel stets günstiger als Benzin. Großzügige Steuervorteile haben dazu beigetragen. In der EU ist das der Fall, weltweit allerdings nicht und dort fristet der Dieselmotor eher ein Schattendasein. In Deutschland betrug die Differenz seit 2010 mindestens sieben Cent und höchstens 22 Cent, die Tendenz ist eher eine weitere Annäherung. Vorerst bleibt der Vorteil damit beim Diesel – solange der Steuervorteil erhalten bleibt.

Verbrauch: Vorteil Diesel
Vor nicht viel mehr als fünf Jahren lag der Verbrauchsvorteil des Dieselmotors noch bei rund 30 Prozent, aktuell sind es nur noch 20 bis 25 Prozent. Der bestehende Vorteil wird voraussichtlich bis 2020 auf weniger als 20 Prozent sinken: Die Technik der Benzinmotoren wird weiter deutlich verbessert, wohingegen der weitere Fortschritt der ausgereizten Dieselmotoren nur noch in Grenzen möglich ist. Die Abgasreinigung ist ein weiteres Problem für den Dieselmotor, denn darunter leidet der Verbrauch: Partikelfilter und weitere Maßnahmen zur Abgasreinigung erhöhen diesen.
Amortisiert sich der Diesel noch? Die 15.000-Kilometer-Grenze war gültig, teilweise sollte sich der Diesel bereits ab 10.000 Kilometern pro Jahr lohnen. Wer mehr als 20.000 Kilometer pro Jahr fährt, wird vermutlich auch 2020 noch günstiger mit einem Diesel fahren.

Wussten Sie schon, dass für die Erfüllung der Euro Norm 6 Harnstoff in die Abgase gespritzt wird, um den Stickoxid-Ausstoß zu verringern (genannt Bluetec oder AdBlue)?

Anschaffungskosten: Vorteil Benzin
Fast immer ist ein Diesel in der Anschaffung teurer als ein Benziner. Ein Dieselmotor muss viel höheren Druckzuständen in den Zylindern standhalten als ein Benzinmotor. Die aufwendigen Motoren sind in der Herstellung doppelt so teuer, was an den Endkunden weitergegeben werden muss. Mit der Norm Euro 6 werden neue Kosten hinzukommen. Zusatzsysteme sind dann nötig, die den Stickoxid-Ausstoß weiter verringern. Diese Systeme werden erneut Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch haben.

Wirtschaftlichkeit: unentschieden
Verbrauch und die Kosten pro Liter sind geringer, sodass gerechnet werden kann, ab wann ein Diesel die Kosten eines Benziners erreicht. Der besagten Faustregel nach lohnt sich der Diesel ab 15.000 Kilometern pro Jahr. In der Vergangenheit verkauften sich gebrauchte Diesel-Fahrzeuge besser als die Benziner. Aufgrund des kleiner werdenden Preisvorteils an der Tankstelle gilt das Argument inzwischen nicht mehr ohne Weiteres.

Die Haltbarkeit des Dieselmotors war früher ein überzeugendes Verkaufsargument. Die Motoren waren eher schwach auf der Brust, relativ einfach gebaut und hielten daher sehr lange. Die heutigen komplexen Selbstzünder laufen in der Regel, wie Benziner, rund 200.000 Kilometer – Gleichstand.

Kfz-Versicherung: Vorteil Benzin
Die Kfz-Versicherung ist für Benziner günstiger. Die Kfz-Haftpflicht ist in Deutschland für jeden Fahrzeughalter vorgeschrieben. Da Fahrzeuge mit Dieselmotor statistisch mehr Kilometer pro Jahr zurücklegen, ist die Gefahr eines Unfalls statistisch gesehen auch höher.

Kfz-Steuer: Vorteil Benzin
Für die Erhebung der Kraftfahrzeugsteuer (KraftSt) ist seit dem 1. Juli 2014 die Bundesfinanzverwaltung (Zollverwaltung) zuständig.

Bei der Anschaffung eines Neuwagens sind die Emissionswerte von Bedeutung: Seit dem 1. Januar 2012 gilt die CO2-Abgabe. Für alle neu zugelassenen Fahrzeuge gilt ab 2014 ein CO2-Grenzwert von 95 g/km. Für Fahrzeuge, die mehr CO2 ausstoßen, wird dann eine Strafsteuer erhoben. Jedes Gramm zu viel kostet dann zwei Euro pro Jahr.

Zusätzlich wird ein Sockelbetrag erhoben, der auf den Hubraum des Fahrzeugs bezogen ist. Pro angefangenen 100 ccm² sind das bei Benzinern zwei Euro, bei Diesel-Fahrzeugen 9,50 Euro. Das neue System mit dem CO2-Wert als Berechnungsgrundlage gilt bis auf Weiteres nur für Neuzulassungen ab 1. Juli 2009.

Anders ist die Berechnung der Steuersätze mit Erstzulassung vor dem 1. Juli 2009: Diese setzt sich zusammen aus der „Schadstoff-Schlüsselnummer“ und dem Motor-Hubraum. Für Fahrzeuge mit Erstzulassung zwischen dem 05.11.2008 und 30.06.2009 gilt die „Günstigerregelung“, meist ist das die neue Kfz-Steuer.

Die Schadstoff-Schlüsselnummer steht im alten Fahrzeugschein (vor 2006) unter „Schlüsselnummer – zu 1“, in der neuen Zulassungsbescheinigung in Feld 14.1. In beiden Fällen ergeben die beiden letzten Ziffern die Schadstoff-Schlüsselnummer, mithilfe dieser Tabelle ermitteln Sie den Steuersatz für Ihren Diesel oder Benziner.

In der Regel ist die Kfz-Steuer für einen gebrauchten Pkw mit Diesel höher als beim identischen Modell mit Benziner.

Jährliche Laufleistung & das Fahrverhalten (Kurz- oder Langstrecke): individuelle Unterschiede
Die jährliche Laufleistung ist weiterhin die Berechnungsgrundlage bei der Frage nach Dieselmotor oder Benziner. Die Unterschiede im Spritverbrauch werden kleiner, die alte Faustformel wackelt. Neben der reinen Kilometerzahl spielt auch das Fahrverhalten eine Rolle. Wer täglich mehrfach Kurzstrecken fährt, bei denen der Motor nicht richtig warm wird, verbraucht mit einem Diesel nicht unbedingt weniger. Wer jedoch regelmäßig viel und lange auf Landstraßen und Autobahnen unterwegs ist, profitiert weiterhin vom niedrigeren Kraftstoffverbrauch des Diesels und ist günstiger unterwegs.

Das Benziner-Potenzial

In der Vergangenheit war Diesel stets günstiger als Benzin. Großzügige Steuervorteile haben dazu beigetragen. In der EU ist das der Fall, weltweit allerdings nicht und dort fristet der Dieselmotor eher ein Schattendasein. In Deutschland betrug die Differenz seit 2010 mindestens sieben Cent und höchstens 22 Cent, die Tendenz ist eher eine weitere Annäherung. Vorerst bleibt der Vorteil damit beim Diesel – solange der Steuervorteil erhalten bleibt.

Zulassungen von Benzin- und Diesel-Fahrzeugen

Nach einer Statistik des KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) waren im Jahr 2015 50,3 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge mit Benzinmotor ausgestattet, 48,0 Prozent mit einem Dieselmotor. Alternative Antriebe sind mit 1,7 Prozent noch weit abgeschlagen. Allerdings stieg die Anzahl neu zugelassener Elektro-Pkws im Vergleich zum Vorjahr um 45,1 Prozent auf 12.363 Fahrzeuge an. Bei den Hybridfahrzeugen waren es 2015 33.630 Neuzulassungen. Dies bedeutet einen Anstieg um 22,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Alle Zahlen im Überblick finden Sie hier.

Fazit – Unterschiede bei Kleinwagen, Mittelklasse und Oberklasse

Es nagelt erst einmal weiter! Bei Kleinwagen ist der Dieselmotor bereits auf dem Rückzug. Vor allem bei kurzen Strecken in der Stadt kann der Diesel seine Vorteile nicht ausspielen. Bei den Mittel- und Oberklassewagen wird der Diesel jedoch weiterhin seine Arbeit verrichten. Insgesamt gibt es keinen eindeutigen Sieger. Wenn die Subvention für Diesel entfällt und die Grenzwerte für Abgase weiter verschärft werden, muss neu gerechnet werden. Kleinwagen, die hauptsächlich für kurze Strecken gebraucht werden, sind in der Regel mit Benzinmotor günstiger. Mittel- und Oberklassenwagen, die eine entsprechend hohe Laufleistung (mindestens 15.000 Kilometer pro Jahr) aufweisen, lohnen sich vorerst weiterhin als Dieselfahrzeuge.

Diesel oder Benzin: Ein Vergleich, der keinen Sieger kürt. Welche Optionen gibt es für die Verbraucher? Das Geld spielt eine entscheidende Rolle, doch nicht weniger bedeutend sind die negativen Auswirkungen herkömmlicher Antriebsarten für die Umwelt. Sind Elektrofahrzeuge auf der einen sowie mit Erdgas oder Autogas angetriebene Autos auf der anderen Seite wirklich eine langfristige und nachhaltige Alternative zu Benzin und Diesel?

Wie würden Sie sich entscheiden, Benziner oder Diesel?
Was ist mit hybriden Lösungen – sind diese bereits interessant?
Was wird Ihrer Meinung nach mit Diesel und Benzin in den nächsten 20 Jahren passieren?

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