Ihr Zuhause – der gefährlichste Ort der Welt

Die eigenen vier Wände vermitteln Gemütlichkeit und Sicherheit. Doch die Statistik spricht eine ganz andere Sprache: Die meisten Unfälle passieren daheim, erstaunlich viele davon enden sogar tödlich. Was macht den Haushalt so gefährlich? Ein Blick hinter die Türen unserer Republik.

Mehr Unfälle als irgendwo sonst

Etwa 2,8 Millionen Menschen verunfallen jedes Jahr im eigenen Zuhause. Rund 8.000 Menschen pro Jahr sterben sogar nach Haushaltsunfällen. Wie dramatisch viele das sind, zeigt der Vergleich zum Auto: Im allgemein als gefährlich anerkannten Straßenverkehr sterben nicht einmal halb so viele Menschen. Etwas weniger als 3.300 waren es in 2018. Woran liegt das?

Manche Wissenschaftler hegen einen erstaunlichen Verdacht: Weil man sich im eigenen Zuhause so gut auszukennen glaubt, sinkt das Risikobewusstsein. Kurz gesagt: Statt auf die sichere Leiter, steigt man mal eben auf den wackeligen Schemel – und kommt dann zuerst kurz ins Straucheln und danach für lange Zeit ins Krankenhaus. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Viele Dinge im Haushalt bergen auch Gefahren, auf die man im Alltag nicht immer so gut achtet, wie es nötig wäre. Und es gibt messbare Unterschiede bei den Geschlechtern.

Frauen verunfallen anders als Männer

Die häufigste Unfallursache im Haushalt sind Stürze. Steile Treppen, klapprige Stühle und rutschige Böden machen Männern und Frauen gleichermaßen zu schaffen.

Am häufigsten führt einen die ganz klassische Hausarbeit in die Unfallstatistik. Etwa 400.000 Unfälle werden hier insgesamt verzeichnet – und dabei sind zu 70 Prozent Frauen betroffen. Ganz anders ist die Verteilung beim Heimwerken. An den rund 250.000 Heimwerkerunfällen sind zu 87 Prozent Männer als Opfer erfasst.

Ein weiterer Gefahren-Hotspot liegt übrigens gar nicht im Haus, sondern direkt drum herum. Gut 200.000 Unfälle passieren bei der Gartenarbeit, zum Beispiel, wenn der Fuß unter den laufenden Rasenmäher gerät. Vorsicht, wenn die Tage kürzer werden: 60 Prozent der Gartenunfälle passieren im Herbst, wenn das Laub besonders rutschig ist.

Die Unfallursachen sind vielfältig

Egal, wo der Unfall am Ende tatsächlich passiert: Die Gefahr durch spitze und scharfe Gegenstände wird fast überall im Haushalt unterschätzt. Beim Schnippeln in der Küche, beim Zuschneiden im Hobbykeller oder beim Sägen im Garten – Schnitt- und Stichverletzungen passieren jeden Tag zuhauf.

Extrem gefährlich sind auch die Folgen von Hitze und Feuer. Der Wasserkocher rutscht aus der Hand, das kochende Wasser läuft übers Bein – schon ist eine schwere Brüh- oder Brandverletzung passiert.

Auch heißes Fett hat schon in so manchen Haushalten zu gravierenden Folgen geführt. Wenn heißes Öl in der Pfanne oder auf dem Ceranfeld zu brennen beginnt, wird es schnell dramatisch. Wer in so einem Fall reflexartig Wasser zum Löschen nutzt, verursacht eine Verpuffung. Die Flammen schlagen extrem hoch, das heiße Öl spritzt explosionsartig durch die Küche, in wenigen Sekunden gewinnt die Situation an Dramatik. Am besten erstickt man Öl-Flammen deshalb mit einem feuchten Handtuch.

Vorsicht mit Chemikalien

Auch der Umgang mit Putzmitteln & Co. birgt Gefahren. Die Warnhinweise zeigen es. Viele frei verkäufliche Mittel sind brennbar, reizen die Augen und Schleimhäute, manche Säuren sind sogar hochgradig ätzend auf der Haut. Achten Sie deshalb immer auf die Gebrauchsanweisung, sorgen Sie bei der Benutzung für ausreichend Frischluft und füllen Sie die chemischen Verbindungen nicht in andere Behälter um. Viel zu oft haben schon tragische Verwechslungen zu unbeabsichtigten Unfällen geführt.

Angst ist dennoch fehl am Platz

Wer sich die Zeit nimmt, die Dinge im Haushalt und Garten gut vorbereitet und ohne Hektik anzugehen, hat schon viel gewonnen. Machen Sie sich mit den Bedienungsanleitungen Ihrer technischen Geräte und Hilfsmittel vertraut, checken Sie Ihr Werkzeug regelmäßig und lagern Sie gefährliche Gegenstände und Stoffe so, dass Kinder sie nicht erreichen können.

Und wenn doch mal etwas passiert, bewahren Sie Ruhe und rufen umgehend Hilfe, zum Beispiel über den Notruf 112. Unfälle lassen sich auch bei umsichtigem Handeln leider nicht immer verhindern. Sorgen Sie am besten vor und informieren sich über die Vorteile einer privaten Unfall­versicherung, um im Fall der Fälle wenigstens finanziell bestens abgesichert zu sein.

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