Was krank macht: Arbeitszeitmodelle im Vergleich

Der Ausdruck „Work-Life-Balance“ ist in aller Munde, doch was genau steckt dahinter und wie verträgt sich das mit den verschiedenen Arbeits(zeit)modellen? Und welche Modelle sind der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Arbeitnehmers zuträglicher als andere? Wir zeigen Ihnen, welche gängigen Varianten es gibt und welche Aspekte gesundheitliche Auswirkungen haben können.

Welche Arbeitszeitmodelle gibt es?

Je nach Unternehmen gibt es verschiedene Arbeitszeitvarianten und je nach Lebenssituation und Typ eignet sich die eine besser für das Gleichgewicht im Leben als andere. Natürlich sind manche Branchen und Aufgabenbereiche für bestimmte Arbeitszeitmodelle besser geeignet als andere.

Variante 1: Gleitzeit

Dieses Modell beinhaltet Kernarbeitszeiten und einen definierten Rahmenarbeitszeitraum, in dem die Mitarbeiter in jedem Fall anwesend sein müssen. Wann genau sie morgens anfangen und wann sie Feierabend machen, ist jedoch variabel – hier kann sich jeder – zumindest ein bisschen – seinen Alltag so gestalten, wie es zu ihm, seinem Schlafrhythmus und seiner Lebenssituation passt.

Ein Beispiel:

Ein Unternehmen hat für seine Mitarbeiter ein Gleitzeitfenster von 7 bis 18 Uhr vorgesehen. Innerhalb dieses Fensters gibt es die Kernarbeitszeit von 10 bis 15 Uhr. Ein Mitarbeiter kann also um 7 Uhr anfangen und beispielsweise bis 16 Uhr bleiben, während ein anderer um 10 Uhr anfängt und bis 18 Uhr bei der Arbeit bleibt.

Vorteil: Beruf- und Privatleben lassen sich hier besser vereinen und jeder Mitarbeiter kann seinen Arbeitsbeginn und seinen Feierabend rund um die Kernarbeitszeit herum, selbst festlegen und auch variieren.

Nachteil: Jeder Mitarbeiter muss seine Arbeitszeiten selbst im Blick haben und sich selbst organisieren.

Wichtig ist – bei allen Arbeitszeitvarianten, dass im Allgemeinen die maximale Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche (werktags montags bis samstags), nicht überschritten wird. In Ausnahmefällen darf ein Arbeitstag auch mal bis zu zehn Stunden dauern. Dann liegt das Maximum bei 60 Stunden Wochenarbeitszeit. So will es das Arbeitsschutzgesetz in Deutschland.

Variante 2: Arbeitszeiterfassung

Hier drängt sich das klassische Bild der Stechuhr auf. Wer zur Arbeit kommt, stempelt sich ein. Wer geht oder Pause macht, stempelt sich aus. Dieses Modell ist nicht sonderlich flexibel, aber sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber, haben immer einen transparenten Überblick über die Arbeitszeiten des Einzelnen.

Wurden die Stunden früher noch mit Stempelkarte analog erfasst, gibt es heute eine Reihe von digitalen Lösungen. Manche Unternehmen geben im Rahmen dieses Modells die zu leistende Stundenzahl pro Arbeitstag vor. Die Arbeitszeiterfassung lässt sich auch gut mit der Gleitzeit variieren.

Vorteil: Überstunden werden erfasst und ein zu hohes Arbeitsaufkommen wird schneller deutlich. Zudem sind Arbeit und Privatleben deutlich voneinander getrennt.

Nachteil: Die Mitarbeiter fühlen sich innerhalb dieses Modells häufig überwacht und anstelle des Ergebnisses steht vielleicht eher die Zeiterfüllung im Fokus.

Variante 3: Vertrauensarbeitszeit

Der Name sagt es schon: Hier steht das Vertrauen im Mittelpunkt und mit ihm die Ergebnisorientierung. Es kommt nicht auf die verbrachten Stunden an, sondern auf die erbrachte Leistung. Qualität statt Quantität sozusagen. Viele Unternehmen vereinbaren innerhalb dieses Arbeitszeitmodells bereits, dass etwaige Überstunden vertraglich mit abgegolten sind, da Überstunden ohne Zeiterfassung schwerlich zu dokumentieren oder zu belegen sind.

Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass der Mitarbeiter mit seinen Aufgaben nicht überlastet ist und daher seiner Aufgaben in der Arbeitszeit schaffen kann.

Vorteil: Ganz klar die Flexibilität! Mitarbeiter können sich ihren Arbeitstag frei einteilen, etwas weniger arbeiten, wenn gerade viele private Verpflichtungen anstehen und etwas mehr arbeiten, wenn beispielsweise gerade ein Projekt in der heißen Phase ist.

Nachteil: Mitarbeiter neigen dazu, immer erreichbar und immer im Arbeitsmodus zu sein, auch unterwegs oder zuhause. So verschmelzen Arbeitszeit und Privatleben – das Risiko eines Burnouts steigt. Zudem müssen Mitarbeiter selbstständig auf ihre Arbeitszeit, auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und der Pausenzeiten achten.

Deshalb ist es wichtig, Mitarbeitern zu vermitteln, dass Arbeitszeit genauso wichtig für die Arbeitsleistung ist, wie Auszeiten und Ruhephasen. Denn nur so kann die Leistungsfähigkeit auf einem hohen Level und die Ergebnisqualität hochgehalten werden, ohne auf Dauer zu Lasten der Gesundheit des Mitarbeiters zu gehen.

Was hat das Arbeitszeitmodell mit der Gesundheit zu tun?

Neben den Varianten für die Arbeitszeiterfassung, gibt es noch verschiedene Modelle, die ebenfalls Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Arbeitnehmers haben können. Die meisten Deutschen arbeiten in Vollzeit, manche in Teilzeit und je nach Branche einige im Schichtdienst.

Jedes Arbeitszeitmodell birgt auch gesundheitliche Risiken. So hat nicht jeder, der in Teilzeit arbeitet gleichzeitig auch mehr Freizeit. Oft müssen vor und nach dem Arbeitstag noch die Kinder betreut oder ein Angehöriger gepflegt und nebenbei der Haushalt geschmissen werden. Bei vielen Teilzeitbeschäftigten ist der Spagat zwischen beruflicher und privater Verantwortung die größte Herausforderung. Ein gutes Zeit- und Ressourcenmanagement ist hier Gold wert.

Aber auch Mitarbeiter, die ihre Arbeitszeit frei einteilen können, müssen auf gesundheitliche Risiken achten. Sie neigen häufig dazu, etwas zu viel zu arbeiten und sich so auf Dauer einer Überlastung auszusetzen. Dies ist ein schleichender Prozess, weshalb Führungskräfte als Vorbild fungieren und zeigen sollten, dass die Arbeitsleistung nicht an der Stundenanzahl gemessen wird, die ein Mitarbeiter bei der Arbeit verbringt.

Das Modell der Schichtarbeit beinhaltet wohl die meisten Tücken. Denn die Freizeitgestaltung ist durch sie häufig erschwert. Mit Freunden und der Familie regelmäßig Zeit zu verbringen, ist bei unterschiedlichen Arbeits- und Schlafenszeiten gar nicht so einfach.

Wenn Nacht- und Wochenenddienste dazu gehören, sind die Auswirkungen nicht nur hinsichtlich der Sozialkontakte spürbar. Der ständige Wechsel zwischen frühem Aufstehen, Nachtarbeit und Co. strapaziert den Körper und kann sich auf das Immunsystem und die Psyche der Schichtarbeiter auswirken. Umso wichtiger ist es, sich auch im Schichtdienst eine gewisse Regelmäßigkeit im Alltag anzueignen und die Ruhephasen zwischen den Diensten für sich zu nutzen.

Werden Mitarbeiter nur auf Abruf beschäftigt, kommen sie häufig nicht so gut zur Ruhe, wie andere mit geregelten Arbeitszeiten. Zudem können sie ihren Alltag nicht richtig planen und so ihr Privatleben nur entsprechend unsicher gestalten.

Mitarbeiter wünschen sich Freiraum und Flexibilität

Die Arbeitnehmer von heute möchten ihre Arbeitszeit gerne selbst einteilen und je nach privaten Verpflichtungen auch mal etwas flexibler gestalten. Dazu gehören dann auch Möglichkeiten wie Homeoffice, mobiles Arbeiten und Co. Dies bestätigt auch die Umfrage „So arbeitet Deutschland“: 73 Prozent der Teilnehmer gaben an, ihre Arbeitszeit am liebsten komplett eigenständig einteilen zu wollen.

Ein Unternehmen kann also nur davon profitieren, seinen Mitarbeitern bei der Arbeitszeitgestaltung – wenn die Arbeitsabläufe es zulassen – freie Hand zu lassen. Jedoch muss in diesem Punkt abgewogen werden, für welche Branche das sinnvoll und realisierbar ist. In medizinischen Berufen ist es schwierig, vom Schichtdienst auf ein flexibles Arbeitszeitmodell umzuschwenken, während in vielen Bürojobs die Umstellung recht gut denkbar sein dürfte.

Was – abgesehen vom Arbeitszeitmodell – Einfluss auf die Gesundheit haben kann, ist die Arbeitsbelastung. Wer regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche arbeitet, kann es mit Schlafproblemen, Kopfschmerzen und weiteren Symptomen zu tun bekommen.

Wie finde ich die Balance zwischen Arbeit und Privatleben?

Nach Möglichkeit sollten Sie maximal drei Nachtschichten hintereinander arbeiten und die Wochenenden als verlängerte Erholungsphasen nutzen. Ständige Wochenenddienste sind also eher zu vermeiden. Außerdem sollten mindestens 24 Stunden Ruhezeit nach einer Nachtschicht eingehalten werden, damit sich der Organismus wieder auf die Arbeit am Tag einpendeln kann.

Darüber hinaus ist eine regelmäßige ärztliche Untersuchung wichtig, um chronische Krankheiten auszuschließen. Wer im Schichtdienst arbeitet, profitiert von einer frühzeitigen Schichtplanung – denn dann lässt sich das Privatleben anhand des Schichtplans auch mal längere Zeit im Voraus organisieren.

Wer ein hohes Arbeitspensum und lange Arbeitstage hat, sollte sich immer wieder kleine Pausen gönnen. Zwei bis drei Minuten sind da schon sehr hilfreich, ein Umweg zum nächsten Kopierer, der Gang zum Kaffeeautomaten oder ein paar kleine gymnastische Übungen lockern auf und helfen Ihnen dabei, sich wieder besser zu konzentrieren. Und das führt zu besseren Arbeitsergebnissen, macht Sie effektiver und verringert das Unfallrisiko. Eine Win-Win-Situation für Sie und Ihre Gesundheit sowie für Ihren Arbeitgeber!

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