Das Eigenheim im Alter – Was dann wichtig ist

Eine selbst genutzte und mit den Jahren komplett abbezahlte Immobilie gilt als ideale Altersvorsorge. Das Geld, das andere jeden Monat in die Miete stecken, bleibt bei den Eigenheimbesitzern in der eigenen Tasche und bessert die Rente auf. Doch das Altern in den eigenen vier Wänden hat auch seine Tücken. Worauf Immobilienbesitzer achten müssen.

Altersgerecht bauen – oder darauf sparen

Mit der Zeit kommen die altersbedingten Zipperlein: Das Gehen fällt schwerer, womöglich braucht man erst einen Stock und später einen Rollator. Treppen und Schwellen werden zum Problem. Auch der Einstieg in eine normale Badewanne wird für viele irgendwann unmöglich. Wer klug ist, achtet darum schon bei Kauf oder Bau auf eine altersgerechte Ausstattung. Wo das nicht geht, sollte man frühzeitig anfangen, auf den Umbau in Richtung barrierefrei zu sparen.

Instandhaltungen vorausdenken

Während man selbst ins höhere Alter kommt, altert die eigene Immobilie meist mit. Das Dach muss irgendwann neu gemacht werden, ebenso die Fassade, gleiches gilt für Fenster, Heizungsanlage und mehr. Vielleicht trifft einen auch ein Elementarschaden, der von der Versicherung nicht richtig abgedeckt ist oder ein anderer, teurer Schaden tritt ganz plötzlich auf.

Wer sein Haus auf Jahre und Jahrzehnte fit halten will, legt für derartige Fälle am besten jeden Monat eine Instandhaltungspauschale zur Seite. So ist immer genügend Geld da, selbst wenn einmal etwas Unvorhergesehenes passiert.

Umziehen als Option im Alter

Wenn das Eigenheim gekauft wird, sind oft schon kleine Kinder da. Manchmal sind noch weitere Geschwister geplant. Nach ungefähr zwanzig Jahren wird das Nest dann langsam leer, die Kinder flügge.

Die Eltern, vielleicht später nur noch ein Elternteil, bleiben wohnen, doch die Kinder leben nicht mehr dort. Das Haus wird zu groß. Einige Zimmer werden gar nicht mehr genutzt. Die Gartenpflege kann zur Herausforderung werden. Wer diese Entwicklung kommen sieht, sollte beizeiten den Umzug planen. Es gilt, den kleinen, ebenerdigen Bungalow oder die Wohnung (in höheren Etagen natürlich mit Aufzug) im Wunsch-Viertel zu finden. Den entsprechenden Kauf finanziert man mit dem Verkauf der alten Immobilie.

Einnahmechance 1: Untermieter suchen

Wer nicht rechtzeitig vorgesorgt hat, muss unter Umständen schnell reagieren. Der unterversicherte Wasserschaden ist da oder eine große Renovierungsmaßnahme muss zeitnah eingeleitet werden – doch das Geld dafür fehlt vielleicht.

Eine Möglichkeit, um sich im Alter eine Zusatz-Einnahmequelle zu verschaffen, liegt in der teilweisen Untervermietung. Vielleicht gibt es eine Einliegerwohnung, die vermietet werden kann. Oder einzelne Zimmer können an Studierende vergeben werden.

Wer in einer touristisch attraktiven Region wohnt, kann auch tage- oder wochenweise über Portale wie booking, FeWo-direkt, Airbnb oder HomeToGo Mieter gewinnen. Das Problem dabei: Es dauert, bis sich auf diese Weise ein größerer Kapitalstock aufgebaut hat. Und nicht jedes Eigenheim ist vom Schnitt und der Lage dazu geeignet.

Einnahmechance 2: Leibrente

Bei der Leibrente wird die Immobilie verkauft, der Verkäufer bleibt aber bis zu seinem Lebensende darin wohnen. Außerdem bekommt er eine monatliche „Leibrente“ – also bares Geld zum Aufstocken der eigenen Rente.

Grundlage dafür ist ein vom Notar beglaubigter Vertrag, durch den das lebenslange Nießbrauchrecht des Verkäufers ebenso ins Grundbuch eingetragen wird wie die Zahlung der Rente. Das Nießbrauchrecht sichert den Verkäufer sein Leben lang ab. Er kann die Immobilie zum Beispiel auch auf eigene Rechnung weitervermieten, um mit den Einnahmen die Kosten für einen Platz im Pflegeheim zu bestreiten.

Der Käufer muss über die gesamte Lebenszeit des Verkäufers für die Instandhaltung der Immobilie aufkommen. Wenn eine Mindestlaufzeit vereinbart wurde, fließt die Rente bis zu deren Ende auch bei vorzeitigem Tod des Verkäufers an seine Erben weiter. Das Haus oder die Wohnung ist für die Nachkommen allerdings weg – es wurde ja schon zu Lebzeiten verkauft.

Einnahmechance 3: Umkehrhypothek

Dieses Modell ist vor allem in den USA recht weit verbreitet, in Deutschland bieten nur wenige Banken diese Art der Finanzierung an. Der Besitzer bleibt hier Eigentümer des Hauses und nimmt eine monatlich wachsende Hypothek auf. Mit jeder Rate steigen also seine Schulden. Am Ende der vorab vereinbarten Laufzeit enden die Zahlungen.

Der Noch-Besitzer kann dann entweder das mit den Raten ausgezahlte Geld auf einen Schlag und natürlich auch verzinst an den Finanzierer zurückspielen – oder die Immobilie geht in dessen Besitz über. Die Gefahr: Im schlimmsten Fall erlebt der Senior das Ende der Hypotheken-Auszahlungen, kann seine Hypothekenschulden nicht begleichen und muss dann ausziehen. Dieser Schritt will deshalb sehr gut überlegt sein.

Im Zweifel: lieber klassisch verkaufen

Sowohl Leibrente als auch Umkehrhypothek sind eher teuer für den Verkäufer. Der erzielte Preis liegt in der Regel deutlich unter dem, den man bei einem normalen Verkauf erzielen würde. Mit dem bei einem Verkauf eingenommenen Geld lässt sich schließlich meistens ohne Probleme eine kleinere Wohnung finanzieren und sogar ein kleines Extra-Vermögen an die Seite legen.

Diese beiden recht speziellen Modelle eignen sich darum vor allem für Menschen, die im höheren Alter nur geringe Einnahmen haben und deshalb eine Zusatzrente brauchen. Der Wunsch, auch weiterhin im angestammten Zuhause zu wohnen, muss stark ausgeprägt sein. Und entweder hat man keine Erben, denen man die Immobilie vermachen möchte – oder die Nachkommen haben kein Interesse an dem Eigenheim.

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Das Thema Altersvorsorge ist ein ziemlich komplexes. Es gibt diverse Optionen, aber welche eignet sich konkret für Sie und Ihre Lebenssituation? Unsere Experten beraten Sie gern, über den Kontaktweg Ihrer Wahl.

Foto: © Gorodenkoff