Digitaler Nachlass: Das Wichtigste auf einen Blick

Unser Leben wird immer digitaler. Wir posten bei Facebook, Instagram & Co., speichern E-Mails bei Google und anderen Anbietern, verschicken und empfangen Whatsapp- und andere Messenger-Nachrichten, haben Nutzerkonten bei Händlern, Versicherungen und mehr. Dazu kommen digitale Abonnements, etwa bei Spotify oder Amazon Prime, die Daten vom Fitness-Tracker und unzählige weitere. Doch was passiert eigentlich damit, wenn wir einmal nicht mehr sind? Und wie kann ich schon zu Lebzeiten dafür sorgen, dass der Umgang mit diesen Daten meinen Angehörigen möglichst leichtfällt – und sie genau wissen, was im Fall der Fälle in meinem Sinne zu tun ist? Wir klären auf über „Digitale Vorsorge“.

Was ist das digitale Erbe?

Über 90 Prozent der Deutschen über zehn Jahren sind online – mit steigender Tendenz. Jede*r von ihnen hinterlässt digitale Spuren. Teilweise auf eigenen Geräten wie dem Computer zuhause, dem Mobiltelefon oder der Digitalkamera. Immer mehr landet auch in der Cloud und bei den digitalen Anbietern: Vertragsdaten genauso wie Bilder, Social Media Accounts, Netflix-Abonnements, E-Mail-Konten und viele weitere Informationen. All das existiert über das eigene Leben hinaus. Wer seinen digitalen Nachlass frühzeitig und clever regelt, sorgt dafür, dass die Erben es nach dem eigenen Tod möglichst leicht haben, auch diesen Nachlass ganz im Sinne des Erblassers zu verwalten.

Die Erben sind gefordert

Sämtliche Rechte und Pflichten des Erblassers gehen auf den oder die Erben über. Also auch Abos und online abgeschlossene Verträge. Nach dem Tod des Erblassers müssen die Erben alle einmal abgeschlossenen Verträge entweder einhalten oder schnellstmöglich kündigen. Denn auch digital abgeschlossene Verträge enden in der Regel nicht einfach mit dem Tod. Das gleiche gilt für alle Nutzer- und E-Mail-Konten. Das ist leider oft komplizierter, als man denkt. Wenn den Erben die Passwörter nicht vorliegen, kann der Weg zur Löschung weit sein. Wer sich Zugriff darauf verschaffen will, muss ihn sich mit dem Erbschein und einigem zeitlichen und nervlichen Aufwand bei jedem einzelnen Anbieter und Dienst erarbeiten. Am Ende klappt das zwar – aber wer will das seinen Hinterbliebenen in diesen schweren Tagen der Trauer zumuten? Wer rechtzeitig vorsorgt, macht es seinen Liebsten leichter.

Vertrauensperson festlegen

Am einfachsten ist es, wenn man eine Vertrauensperson bestimmt, die im Fall des Ablebens den digitalen Nachlass regeln soll. Stellen Sie dazu eine handschriftliche Vollmacht mit Datum und Unterschrift aus, in der Sie Ihren digitalen Nachlassverwalter benennen. Wichtig ist auch eine Liste, in der Sie Ihre Accounts mit Nutzernamen und Kennwort aufführen. Deponieren Sie diese auf einem passwortgeschützten USB-Stick oder an einem anderen sicheren Ort. Jetzt müssen Sie Ihrer Vertrauensperson nur noch mitteilen, wo er oder sie den Stick oder die Liste findet und Sie haben schon viel erreicht. Wer mag, regelt seinen digitalen Nachlass rechtssicher per Testament. Auch hier gilt: Es muss handschriftlich verfasst, klar formuliert und unterschrieben sein. Übrigens: Google, Facebook und einige andere bieten an, die Vertrauensperson schon in den Einstellungen anzugeben – zum Beispiel als Nachlasskontakt bei Facebook oder über den Kontoinaktivitätsmanager bei Google.

Kommerzielle Anbieter

Wenn Sie keine Vertrauensperson haben oder benennen wollen, finden Sie im Netz auch eine große Auswahl an Anbietern, die versprechen, sich für Sie um den digitalen Nachlass zu kümmern. Wie gut, wie sicher und wie teuer diese auf die Dauer sind, ist leider nicht so einfach zu sagen. Achten Sie vor Abschluss mindestens auf die Kosten und übergeben Sie besser keine Kennwörter. Die Gefahr, dass der Anbieter gehackt und die Daten anderweitig genutzt werden, ist leider real.

Löschen und Aktualisieren

Wer es seinen Angehörigen leichter machen will, sollte seinen Nachlass von Zeit zu Zeit sichten und überprüfen. Sind die Passwörter und Accounts noch auf dem neuesten Stand? Ganz wichtig ist auch das regelmäßige Löschen von Inhalten, die man nach dem Ableben seinen Erben vielleicht lieber nicht zumuten möchte. Manche Fotos, Chatverläufe und E-Mail-Konversationen will man vielleicht lieber bei sich behalten. Wer regelmäßig löscht, geht hier auf Nummer Sicher – auch über den Lebtag hinaus.

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