Rating von Versicherungen – Wie funktioniert ein Ranking für Lebensversicherer?

11. Juli 2014 | Autor: Redaktionsteam Hannoversche | Kommentare: 0 | Bewertung: Bitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung ab (22)

Rating von Versicherungen

Der Begriff Rating begegnet einem häufig. Aber welchen Regeln folgt eigentlich so ein Rating und wie funktionieren Ratings für Versicherungen? Versicherungsleistungen sind so sicher, wie die Unternehmen, die sie erbringen sollen. Lange Zeit bestanden keine Zweifel an der wirtschaftlichen Stabilität der Versicherungen. Die Banken- und Finanzkrise der letzten Jahre lenkte aber die Aufmerksamkeit der Verbraucher neben der Banken- und Finanzbranche auch auf die wirtschaftliche Sicherheit der Versicherungen. Verbraucher entscheiden sich daher nicht mehr nur für eine Versicherung, die gute Serviceleistungen anbietet und für schnelle und kundenfreundliche Schadensabwicklungen bekannt ist. Vielmehr steht inzwischen auch die wirtschaftliche Stabilität eines Versicherers und damit die Sicherheit der Versicherungsleistungen im Vordergrund. Ein Unternehmensrating der Versicherer bildet all die genannten Aspekte ab und dient Kunden zur Orientierung bei der Auswahl ihres Versicherers.

Versicherungen, die ihre wirtschaftliche Situation, aber auch die Qualität ihrer Leistungen transparent machen möchten, bedienen sich zu diesem Zweck eines unabhängigen Unternehmensratings. In Deutschland bieten verschiedene Ratingagenturen die Unternehmensbewertung an. Sie arbeiten im Auftrag der Versicherer und gleichzeitig im Interesse der Kunden. Das Unternehmensrating der Versicherer erfolgt daher anders, als am Finanz- und Kapitalmarkt, auf freiwilliger Basis.

Rating von Versicherungen – objektive Ergebnisse durch unabhängige Unternehmen

Das Versicherungsrating erstellt seinem Namen entsprechend eine Einstufung der Unternehmen in der Branche – gemessen an der wirtschaftlichen Stabilität, der Qualität der Leistungen und der Kundenzufriedenheit. Unternehmen, die mit positiven Werten aus dem Rating-Prozess hervorgehen, finden Sie auf den ersten Plätzen eines Rankings. Obwohl Versicherer, die ihre Stellung in der Branche messen möchten, den Auftrag für die Durchführung eines Ratings selbst erteilen, haben sie nach der Auftragserteilung keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Ratingagenturen arbeiten unabhängig und bewerten die Gesamtunternehmensqualität aus Sicht der Kunden. Das Interesse des Unternehmens besteht zwar in einer positiven Bewertung verglichen mit Konkurrenzunternehmen, aber auch darin, die eigene Stellung in der Branche und einen möglichen Handlungsbedarf zu erkennen. Auf dieser Grundlage wird deutlich, in welchen Bereichen Veränderungen zur Optimierung der Leistungen erforderlich sind.

Während des Rating-Prozesses und nach dem Abschluss des Auftrags ist die Ratingagentur dem Versicherer gegenüber zur Vertraulichkeit verpflichtet. Im Gegenzug verpflichtet sich der Versicherer, der Ratingagentur Zugang zu internen Unternehmensdaten zu gewähren. Über eine Veröffentlichung des Ratings am Ende des Prozesses entscheidet der Versicherer. Versicherungsunternehmen mit einer positiven Bewertung sind naturgemäß eher zu einer Veröffentlichung geneigt, da das Ergebnis Neu- und Bestandskunden ein sicheres Gefühl beim Abschluss von Versicherungen vermittelt.

Warum unterziehen sich Versicherer einem Ranking?

Die Motivation für eine Versicherung, sich an einem Ranking zu beteiligen, kann unterschiedlicher Natur sein. In der Regel erwartet ein Versicherer ein positives Ergebnis, dessen Veröffentlichung dazu geeignet ist, das Vertrauen potenzieller Kunden zu gewinnen. Unternehmen, die unsicher bezüglich ihrer Positionierung in der Branche sind, erhalten durch das Ranking ein objektives Ergebnis und damit Klarheit über ihre Situation am Markt. In diesen Fällen dient das Rating als Grundlage für notwendige Veränderungen in der Unternehmensstruktur, im Angebotsportfolio oder im direkten Kundenservice. Durch Optimierung der eigenen wirtschaftlichen Situation und der Leistungen haben Versicherer damit die Chance, ihre Marktposition zu verbessern.

Verbraucher profitieren in besonderem Maß von einem Unternehmensranking der Versicherer. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse stehen ihnen objektive Kriterien im Entscheidungsprozess zur Auswahl ihres zukünftigen Versicherers zur Verfügung. Versicherungen, die sich nicht an einem Ranking beteiligen, können ausschließlich anhand des Angebotsspektrums und der Höhe der Versicherungsbeiträge beurteilt werden. Diese Kriterien werden in Versicherungsvergleichen, wie sie vielfach im Internet zur Verfügung stehen, zugrunde gelegt. Unternehmen, die sich einem Ratingprozess unterziehen und die Ergebnisse veröffentlichen, bieten Ihnen als Verbraucher ein wesentlich breiteres Spektrum zur Beurteilung ihrer Leistungen und wirtschaftlichen Sicherheit.

Wo finde ich die Ergebnisse eines Versicherungsratings?

Zahlreiche Unternehmen in Deutschland bieten Unternehmensratings an. Seriöse Ratingagenturenführen das Rating auf der Grundlage von Kundenbefragungen und internen Unternehmensdaten durch.

Die Veröffentlichung der Ratingergebnisse erfolgt zum einen in einem ausführlichen Ratingbericht, den der Versicherer seinen Kunden auf Wunsch zur Verfügung stellen kann, zum anderen in der Presse und im Internet. Versicherer selbst weisen in ihrer Werbung und ihren Angeboten auf ein positives Ratingergebnis hin.

Vielfach bezeichnen auch Fachzeitschriften ihre Versicherungsvergleiche als Rating, beziehen dabei aber in Abgrenzung zu Ratingagenturen vorwiegend öffentliche Daten wie die Höhe der Beiträge und die Breite des Angebotsspektrums ein. Die Darstellung des Rankings erfolgt entweder in einer Platzierung vom ersten bis zum letzten Platz oder in einer detaillierten Benotung jedes Unternehmens, wie sie auch aus dem Finanzrating bekannt ist. Auch hier reichen die typischen Noten von D bis A, A+ und A++, wobei D der schlechteste und A++ der beste Wert ist.

 

Wie entsteht ein Rating für Versicherungen (am Beispiel der Ratingagentur Assekurata)?

Ratingagenturen in Deutschland führen Ratings mit unterschiedlichen Methoden durch, beziehen verschiedene Kriterien ein und bewerten mit individuellen Gewichtungen. Die Hannoversche beauftragt regelmäßig die Ratingagentur Assekurata aus Köln. Assekurata hat sich als erste Ratingagentur in Deutschland auf die Beurteilung der Qualität von Versicherungsunternehmen aus der Sicht der Kunden spezialisiert.

Nachfolgend wird daher der Rating-Prozess für Lebensversicherer beschrieben, wie er sich bei Assekurata gestaltet. Anschaulich ist dies auch im Informationsvideo von Assekurata dargestellt.

Qualitätssicherung und Gremien im Versicherungsrating-Prozess

Innerhalb der Ratingagentur erfolgen Auswertung und Beurteilung des geprüften Unternehmens durch ein Rating-Team, das Rating-Komitee und das Rating-Kolloquium. Neben den Analysten, Fachkoordinatoren und Mitgliedern der Geschäftsführung im Rating-Kolloquium gehören dem Rating-Komitee auch externe Mitglieder aus Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, unabhängigen Institutionen und vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sowie Dozenten und Professoren verschiedener Universitäten an.

Mitglieder des Rating-Komitees und des Rating-Teams müssen unabhängig von dem zu bewertenden Versicherungsunternehmen sein. Vor der Ratingfeststellung durch das Rating-Komitee, die einstimmig erfolgen muss, findet eine Qualitätssicherung statt. Dabei prüft ein internes Rating-Kolloquium von Assekurata die verwendeten Methoden und Verfahren des Rating-Teams.

Datenerhebung zur Voranalyse

Im ersten Schritt fordert die Agentur für eine Voranalyse Daten beim Versicherungsunternehmen an:

  • Exportdateien, Geschäftsberichte und Wirtschaftsprüfberichte der letzten fünf Jahre
  • Konzernjahresabschluss des letzten Geschäftsjahres
  • Konzernorganigramm, Ressortverteilung der Vorstände und Eigentümerstruktur
  • Aufstellungen der Funktionsausgliederungen, Patronatserklärungen und Unternehmensverträge
  • Die regionale Standortverteilung
  • Nachweise und Planungen zur Eigenkapitalausstattung
  • Ergebnisse von Stresstests der Bundesfinanzaufsicht
  • Kapitalveränderungen im Geschäftsjahr
  • Unternehmensstrategie und Standardberichtswesen
  • Personalstatistiken
  • Marketingdaten
  • Kunden- und Servicedaten
  • Produktprogramm, Kalkulation und Vertriebsdaten
  • Daten zur Schadensabwicklung
  • Rückversicherung und Kapitalanlagen
  • Risikostrategie und Risikomanagement
  • Ausgestaltung des fondsgebundenen Geschäfts.

Diese Daten werden unter Einbeziehung von Checklisten, Datenbanken und Analysemodellen nach verschiedenen Kriterien detailliert ausgewertet und bilden die Grundlage für die sich anschließenden Managementinterviews.

Managementinterview und Kundenbefragung

Auf der Grundlage der Voranalyse führt das Rating-Team von Assekurata zur Klärung von Detailfragen und Zukunftsplanungen der Versicherung ausführliche Managementinterviews zu den Themen

  • Marktentwicklung
  • Unternehmensstrategie
  • Personalentwicklung
  • Rückversicherungspolitik
  • Produktgestaltung
  • Kapitalanlagestrategie
  • Vertriebswegestruktur
  • Kalkulationsgrundlagen
  • Risikoannahmepolitik
  • Beitragsentwicklung
  • Kundenservice
  • Kundenbindung
  • Kundenzufriedenheit

durch. Das Rating-Team besichtigt die Konzernzentrale und abhängig von der Unternehmensstruktur auch die weiteren Standorte. Darüber hinaus erfolgt durch eine empirische Kundenbefragung die Bewertung der Kundenzufriedenheit. In das Ergebnis fließen somit auch nicht objektiv messbare Daten und die Zukunftsplanungen des Unternehmens ein.

Auswertung des Ratings in fünf Teilqualitäten

Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgt in fünf Teilqualitäten mit unterschiedlicher Gewichtung:

  • Wie sicher ist die Existenz des Versicherers?
    Unternehmenssicherheit und wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens: 10 %
  • Wie erfolgreich wirtschaftet der Versicherer mit den Kundengeldern?
    Erfolg in Bezug auf das Wirtschaften mit Kundengeldern: 10 – 25 %
  • Wie hoch, stabil, zeitnah und ambitioniert ist die Gewinnbeteiligung der Versicherungsnehmer? Wie kundenfreundlich sind die Produkte gestaltet? Wie hoch ist die Performance der Investmentanlage?
    Gewinnbeteiligung der Versicherungsnehmer und Performance: 30 – 45 %.
  • Welchen Service bietet der Versicherer den Kunden?
    Kundenorientierung: 25 %
  • Wie attraktiv ist der Versicherer aus Sicht der Verbraucher?
    Wachstum und Attraktivität aus der Sicht der Verbraucher: 10 %

Bei Versicherungsunternehmen, deren Prämien zu mehr als 25 Prozent mit fondsgebundenen Lebensversicherungen erwirtschaftet werden, erhöht sich die Gewichtung der Teilqualität Gewinnbeteiligung/Performance und die Gewichtung des Erfolgs reduziert sich entsprechend.

Eine besondere Bedeutung haben die Teilqualitäten Sicherheit und Kundenorientierung. Stellt sich im Ergebnis heraus, dass die Bewertung einer dieser Teilqualitäten schlechter ist, als „noch zufriedenstellend“ (B-), erfolgt die Einstufung des gesamten Ratingergebnisses mit dieser Bewertung.

Die Rating-Noten
Jede der Teilqualitäten wird zunächst einzeln bewertet und fließt dann mit der entsprechenden Gewichtung in das Gesamtergebnis ein. Assekurata stellt das Ratingergebnis in Bezug auf die Erfüllung der Qualitätsanforderungen und Qualitätserwartungen der Versicherungsnehmer wie folgt dar:

  • Exzellent: A++
  • Sehr gut: A+
  • Gut: A
  • Weitgehend gut: A-
  • Voll zufriedenstellend: B+
  • Zufriedenstellend: B
  • Noch zufriedenstellend: B-
  • Schwach: C+
  • Sehr schwach: C
  • Extrem schwach: C-
  • Mangelhaft: D.

Monitoring, Anpassung und Aberkennung eines Ratings

Monitoring und Gültigkeit eines Ratings
Da die wirtschaftlichen Entwicklungen nur begrenzt vorhersehbar sind und sich die Kundenzufriedenheit verändern kann, hat das Rating eine begrenzte Gültigkeitsdauer von einem Jahr. Während dieser Zeit beobachtet das Team der Ratingagentur im Rahmen eines Monitorings die Entwicklungen im Unternehmen.

Um die Aktualität des Ratings zu gewährleisten, findet im Idealfall bis zum Ablauf des Jahres ein Folgeratingprozess statt. Versicherungsunternehmen sind jedoch nicht zur Durchführung des Folgeratings verpflichtet. Das ursprüngliche Rating behält bis zum Abschluss des Folgeratings seine Gültigkeit. Verzichtet ein Versicherungsunternehmen auf das Folgerating, so darf es das ursprüngliche Ratingergebnis nach zwölf Monaten nicht mehr veröffentlichen. Über den Ablauf der Gültigkeit unterrichtet die Ratingagentur in diesen Fällen durch Pressemitteilungen die Öffentlichkeit.

Anpassung eines Ratings
Stellt sich während der Gültigkeitsphase eines Ratings heraus, dass außerordentliche Entwicklungen das Ratingergebnis verändern, besteht für die Ratingagentur die Möglichkeit, auch vor dem Ablauf der zwölf Monate eine Anpassung vorzunehmen. Assekurata unterrichtet das betroffene Unternehmen von der Anpassung und nimmt diese Versicherung in eine Watchlist auf. Über diesen Schritt gibt Assekurata ebenfalls eine Presseerklärung ab, in der auf die unter besonderer Beobachtung stehenden Kriterien hingewiesen wird.

Auf der Internetseite der Ratingagentur sind Versicherungsgesellschaften, die sich auf der Watchlist befinden, mit dem Suffix „Rating“ gekennzeichnet. Während ein Unternehmen auf der Watchlist eingetragen ist, überprüft Assekurata die betroffenen Teilkriterien. Zu diesem Zweck werden weitere Informationen des Versicherers angefordert.

Die Entscheidung über eine mögliche Herabstufung des Ratings trifft das Rating-Komitee. Im Fall der Herabstufung wird der Öffentlichkeitsbericht entsprechend angepasst. Das herabgestufte Rating tritt an die Stelle des ursprünglichen und behält seine Gültigkeit für denselben Zeitraum, wie das Ausgangsrating.

Aberkennung eines Ratings
Beeinflussen während der einjährigen Gültigkeit gravierende Veränderungen die Grundlagen des veröffentlichten Ratings, wird dieses aberkannt. Zu einer Aberkennung kann es auch kommen, wenn Assekurata eine Anpassung des ursprünglichen Ratingergebnisses oder eine Herabstufung für erforderlich hält, das betroffene Versicherungsunternehmen aber nicht zu einer Herabstufung bereit ist oder die Kooperation ablehnt.

 

Die Hannoversche unterzieht sich alljährlich einem Rating durch die Ratingagentur Assekurata. Informationen zu dem neuesten Ratingbericht finden Sie hier.

 

Quelle: Bild oben © Dreaming Andy – Fotolia.com


Kategorien: Allgemein

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