Außergewöhnliche und ausgefallene Vornamen – Was ist erlaubt?

24. April 2015 | Autor: Redaktionsteam Hannoversche | Kommentare: 0 | Bewertung: Bitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung ab (32)

Außergewöhnliche und ausgefallene Vornamen - Was ist erlaubt?

Namen sind keineswegs Schall und Rauch. Auch ausgefallene Vornamen nicht. Sie sind Teil unserer Persönlichkeit und begleiten uns ein Leben lang. Deshalb ist Zurückhaltung im Sinne des neugeborenen Kindes manchmal durchaus angebracht. Standesämter und Gerichte, wie in einem besonders kreativen Fall das Oberlandesgericht Düsseldorf, schieben daher überlangen Namensketten und sinnfremden Kreationen einen Riegel vor. Erfahren Sie mehr über außergewöhnliche Vornamen, Chancen für die Genehmigung und die Möglichkeit, seinen Namen ändern zu lassen!

Wenn einfache Leute ihrem Neugeborenen in früheren Zeiten einen Namen gaben, war dies zumeist die einzige Art von Mitgift, deren sich der neue Erdenbürger sicher sein konnte. Und so stand nicht selten spätestens an zweiter Stelle der untadelige gute Vorname von Vater oder Mutter. War eine betuchte Tante oder ein reicher Onkel bereit, dem Kind eine materielle Aussteuer zu stellen, so wurde sie oder er als Namenspate bedacht. Das sicherte zumindest einen geringen Teil von Wohlstand für die Zukunft des Kindes.

Auch heute ist diese Variante durchaus noch üblich. In den meisten Fällen jedoch wählen die Eltern Vornamen nach eigenem Geschmack, prominenten Vorbildern oder literarischen und musikalischen Vorlagen. So manches Mal schießt die Begeisterung über das Ziel hinaus und scheitert dann an der Zustimmung des zuständigen Standesbeamten.

Wer legt den Vornamen innerhalb welcher Frist fest?

Der oder die Vorname/n für den neuen Erdenbürger wird/werden von Mutter und/oder Vater ausgewählt, festgelegt und beim zuständigen Standesamt angemeldet. Die Anmeldung muss gemäß der Frist innerhalb eines Monats nach der Geburt des Kindes erfolgen (§ 21 a Personenstandsgesetz).

Individualität vor Stil – Wer entscheidet über außergewöhnliche Vornamen?

Für Eltern ist jedes ihrer Kinder etwas ganz Besonderes. Auch der Vorname soll dies zeigen. Vor die offizielle Namensgebung hat der Gesetzgeber jedoch die Prüfung durch geschulte Standesbeamte gesetzt. In den meisten Fällen unterstützen die zuständigen Behörden den Namenswunsch der Eltern. Hin und wieder gilt es jedoch, zum Wohle des Kindes einzugreifen. Denn so niedlich „Gucci“ und „Schnucki“ bei Kleinkindern noch sein mögen, muss ein Mensch die meiste Zeit seines Lebens doch als Jugendlicher oder Erwachsener mit seinem Namen leben. Idealerweise fragen sich die Eltern bei der Auswahl, ob sie selbst mit der Namenskreation leben wollen würden.

Ausgefallene Vornamen – Der nicht immer gerade Weg der Bürokratie

Mittlerweile gibt es lange Listen außergewöhnlicher Vornamen, die durch ein Amt abgelehnt oder denen zugestimmt wurde.

Ein Ja gab es beispielsweise für folgende ausgefallene Vornamen:

  • Harley
  • Tarzan
  • Wasa
  • Schneewittchen
  • Waterloo
  • Matt-Eagle
  • Apple
  • Blaubeere
  • Chanel
  • Smudo
  • Solarfried

Gescheitert sind dagegen diese ungewöhnlichen Vornamen:

  • Crazy Horse
  • Satan
  • Sputnik
  • Gastritis
  • Whisky
  • Rasputin
  • Steißbein
  • Atomfried
  • McDonald
  • Joghurt
  • Bierstübl

Wer hilft bei der Genehmigung außergewöhnlicher Vornamen?

Aber auch weniger ausgefallene Namen können Probleme beim Antrag bereiten. Dann bleibt den frisch gebackenen Eltern der Weg zur Namensberatungsstelle an der Universität Leipzig, um ein positives Gutachten erstellen zu lassen. Auch ein Standesbeamter kann nicht alle Namen dieser Erde kennen.

Mit einem fundierten Beleg über Herkunft und Kultur eines Namens lässt sich der Wunsch mit mehr Nachdruck durchsetzen. Dies tun übrigens einige Tausend Eltern jedes Jahr. So wurde entsprechend dem kulturellen Hintergrund der Eltern schon mal ein Name wie „Esenosarumensemwonken“ von der Uni Leipzig bestätigt und anschließend genehmigt. Der Name kommt aus Nigeria und bedeutet ungefähr: „die Bitte an Gott (zu geben) wurde erfüllt oder gefällt“. Pro Jahr kommen so einige Hundert neue Namen hinzu.

Wie viele Vornamen sind erlaubt?

Hinsichtlich der Anzahl der gewünschten Vornamen pendelt sich die allgemeine Entscheidung bei maximal fünf Vornamen ein. Bei der Auswahl des Vornamens, aber später auch für den Namensträger, ist es dabei wichtig zu beachten, dass bei offiziellen Anlässen und Schreiben stets alle Vornamen – sind es nun zwei oder fünf – genannt werden müssen.

Die Notwendigkeit eines weiteren Vornamens bei unklarer Geschlechtsdefinition des Wunschnamens hat das Verfassungsgericht bereits 2008 für nichtig erklärt (BVerfG vom 5. Dezember 2008, AZ: 1 BvR 576/07).

Wussten Sie schon, dass die Vergabe von Doppelnamen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stark zugenommen hat? Mehr spannende Infos zur Namen-Geschichte finden Sie hier.

Vorname vs. Rufname

Hat eine Person mehrere Vornamen, wählen die Eltern aus diesen Vornamen einen Rufnamen für das Kind aus. Das ist in den meisten Fällen der Name, mit dem es angeredet wird. Der Rufname ist veränderlich. Er kann also geändert werden, wenn der Namensträger dies später wünscht.

Gerichte als letzte Chance für die Genehmigung ausgefallener Vornamen – Per Klage zu Emilie-Extra und Lütke

Vornamensrecht - Wie ist die Rechtslage bei ausgefallenen Vornamen?Während das Namensrecht die Familiennamen klar im BGB regelt, gibt es keine Gesetze, die die Vornamensgebung in Deutschland definieren. Vielmehr kommen bei strittiger Entscheidung das sogenannte Gewohnheits- bzw. das Richterrecht zur Anwendung.

Grundsätzlich dürfen Orts-, Marken- und Familiennamen nicht als Vornamen gewählt werden. Der Name darf weder mit Bösem in Verbindung gebracht werden, noch darf er das Kind lächerlich machen.

Wenn es tatsächlich nicht zu einer Einigung mit dem Standesamt kommt, bleiben nur noch der Rechtsweg und die Klage vor Gericht. Idealerweise überlässt man den offiziellen Papierkrieg einem versierten Familienrechtsanwalt. Dieser wird in erster Instanz das zuständige Amtsgericht anrufen und eine qualifizierte Begründung für die Namensentscheidung vorlegen.

Nicht selten setzen sich Gerichte nach gründlicher Untersuchung der Sachlage über die Entscheidungen des Standesbeamten hinweg und genehmigen den ungewöhnlichen Namenswunsch wie „Emilie-Extra“ und „Lütke“, den Letztgenannten allerdings erst als dritten Vornamen.

Kann man seinen Vornamen ändern?

Wer sich gänzlich von der „Komposition“ seiner Eltern trennen oder den Namen seines Kindes nachträglich ändern möchte, findet in der „Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (NamÄndVwV)“ die betreffenden Informationen. Die Kosten für die Änderung des Vornamens liegen zumeist im dreistelligen Euro-Bereich.

Das deutsche Recht erlaubt nur unter bestimmten Umständen die Änderung eines Vornamens:

  • Ausgefallene Vornamen können geändert werden, wenn der Namensträger nachweislich darunter leidet.
  • Ausländische Vornamen können „eingedeutscht“ werden. Ist dies nicht möglich, weil es keine adäquate deutsche Form des Namens gibt, kann er abgelegt und ersetzt werden (Art. 47 EGBGB).
  • Im Rahmen einer Adoption kann ein Name geändert werden (§ 1757 Abs. 4 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)).
  • Im Rahmen einer Geschlechtsumwandlung kann ein Name geändert werden (§ 1 Transsexuellengesetz (TSG)).

Auch hier entscheidet das Standesamt bzw. die Kreisverwaltung oder das Ordnungsamt über die Möglichkeit der Änderungen und überprüft die erforderlichen Kriterien.

 

Weiterführende Links zum Thema:

Hilfe bei der Suche nach einem Vornamen
http://www.vorname.com

Namensberatungsstelle der Uni Leipzig (Gutachten zur Eintragungsfähigkeit eines Vornamens zur Vorlage beim Standesamt, Gericht oder einer anderen Behörde)
http://www.namenberatung.eu/

Informationen zur Geschichte von Namen
http://www.beliebte-vornamen.de/251-geschichte.htm
http://www.beliebte-vornamen.de/kategorie/namensforschung/geschichte
http://www.namenberatung.eu/schon_gewusst/namen_geschichte/

 

Quellen: Bild oben ETIQUETTES Prenoms Garcons © pict rider – Fotolia.com, Bild im Text Mieterrechte © M. Schuppich – Fotolia.com


Kategorien: Allgemein

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