Warum die Garantiezins-Senkung die Berufsunfähigkeitsversicherung teurer macht

30. September 2014 | Autor: Redaktionsteam Hannoversche | Kommentare: 0 | Bewertung: Bitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung ab (30)

Garantiezins-Senkung führt zu teureren Berufsunfähigkeitsversicherung

Garantiezins und Berufsunfähigkeitsversicherung scheinen auf den ersten Blick nichts gemeinsam zu haben, denn der Garantiezins wird allgemein mit Lebens- und Rentenversicherungen in Verbindung gebracht. Nach der Verabschiedung des Lebensversicherungsreformgesetzes durch den Deutschen Bundestag im Juli 2014 und der daraus hervorgehenden Garantiezinssenkung für Neuabschlüsse zum 1. Januar 2015 ist jedoch auch mit steigenden Beiträgen zur Berufsunfähigkeitsversicherung zu rechnen. Wenn Sie schon seit Längerem den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung planen, kann dies noch in diesem Jahr lohnenswert sein.

Um bis zu sieben Prozent sollen die Beiträge für Neuabschlüsse von Berufsunfähigkeitsversicherungen aufgrund der Senkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent zum 1. Januar 2015 teurer werden. Der Zusammenhang zwischen dem Garantiezins und der Berufsunfähigkeitsversicherung ist vielen Verbrauchern nicht geläufig. Jedoch sind auch Berufsunfähigkeitsversicherungen in der Regel langfristige Vorsorgeanlagen, deren Beitrag an den Garantiezins gebunden ist.

Auswirkungen des Garantiezinses auf die Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Garantiezins bezieht sich auf alle Versicherungen, also meist langfristige Versicherungen, die Risiken der Lebensdauer und gesundheitlicher Beeinträchtigungen abdecken. Dazu zählen unter anderem auch Pflegerenten- und Invaliditätsversicherungen, Dread Disease Absicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Für den Leistungsfall der Berufsunfähigkeitsversicherung bilden Versicherer bilanzielle Reserven und verzinsen diese mit dem Garantiezins. Um die Leistungen erbringen zu können, müssen bei einer Senkung des Garantiezins folglich die Reserven erhöht werden. Diese Erhöhung der Reserven kann nur über steigende Beitragseinnahmen finanziert werden.

Garantiezins passt sich der allgemeinen Zinsentwicklung an

Den Garantiezins legt das Bundesministerium der Finanzen fest. Dabei orientiert sich das Ministerium an der Zinsentwicklung für Staatsanleihen im Euro-Raum. Der Höchstrechnungszins für Neuverträge, so die offizielle Bezeichnung des Garantiezinses, darf nicht höher sein, als 60 Prozent der aktuellen durchschnittlichen Umlaufrendite zehnjähriger Staatsanleihen. Damit passt sich der Garantiezins der allgemeinen Entwicklung des Marktzinses an.

Diese Regelung dient der Sicherung der Leistungsfähigkeit von Versicherungsunternehmen. Unterschreitet der Marktzins langfristig den Rechnungszins, reicht er unter Umständen nicht mehr für die Zahlung der zugesicherten Leistungen aus, ohne die wirtschaftliche Stabilität der Versicherungsunternehmen zu gefährden.

Je länger die Laufzeit, umso stärker die Beitragserhöhung der Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Rechnungszinseffekt in der Berufsunfähigkeitsversicherung wirkt sich insbesondere auf Verträge mit langen Laufzeiten aus. Daher betrifft die Garantiezinssenkung vor allem junge Versicherungsnehmer.Der Beitrag der Berufsunfähigkeitsversicherung wird teurer, je länger die Versicherungslaufzeit ist.

Dies hat folgenden Grund: Im Leistungsfall muss das Versicherungsunternehmen eine Reserve in Höhe der voraussichtlichen Rentenleistung bilden. Diese Reserve wird jährlich mit dem Garantiezins verzinst. Bei einem niedrigeren Garantiezins bedeutet dies, dass eine höhere Reserve gebildet werden muss. Eine höhere Reserve muss wiederum durch höhere Beiträge ausgeglichen werden. Wie bei einem Sparvorgang wirkt der Zinseszinseffekt dabei stärker auf längere als auf kürzere Laufzeiten.

Für Versicherungsnehmer, die erst in einem höheren Lebensalter eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, wirkt sich die Beitragserhöhung weniger stark aus. Diese Personen schließen die Versicherung meist über eine kürzere Laufzeit ab, weshalb sich der Zinseffekt nicht so stark in den Beiträgen niederschlägt.

Nach ersten Berechnungen des Finanzdienstleisters MLP muss ein 25 Jahre alter Versicherungsnehmer, der nach dem 1. Januar 2015 eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Berufsunfähigkeitsrente von 1.000 Euro abschließt, mit Beiträgen rechnen, die etwa 6,7 Prozent höher sind, als beim Abschluss der Versicherung noch in diesem Jahr. Noch höher fallen die Beitragserhöhungen für unter 25 Jahre alte Versicherungsnehmer aus.

Für einen 45 Jahre alten Versicherungsnehmer wird der Beitrag für eine vergleichbare, ab 2015 abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung, etwa drei Prozent teurer sein, als bisher.

Auch die Hannoversche rechnet durch den niedrigeren Garantiezins mit Beitragserhöhungen, die im Extremfall bis zu sieben Prozent betragen können.

Beitragserhöhungen wirken sich nur auf Neuverträge aus

Die Senkung des Garantiezinssatzes erfolgt nur für Versicherungsverträge, die nach dem 1. Januar 2015 abgeschlossen werden. Der Garantiezins für bestehende und bis zum 31.12.2014 abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherungen bleibt unverändert.

 

Link zu ähnlichem Thema
Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten und Azubis

 

Quelle: Bild oben © Picture-Factory – Fotolia.com


Kategorien: Allgemein

Hinterlassen Sie einen Kommentar (Jeder Kommentar wird vor der Veröffentlichung durch die Hannoversche überprüft.)



* Pflichtfeld