Nachgefragt: Assekurata-Chef Dr. Reiner Will im Interview

18. August 2016 | Autor: Redaktionsteam Hannoversche | Kommentare: 0 | Bewertung: Bitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung ab (5)

Interview Assekurata Reiner Will

Die Ratingagentur kundenorientierte Assekurata bewertet die Hannoversche seit Jahren mit der Top-Bewertung A++ „exzellent“. Dank ihren unabhängigen Ratings gibt Assekurata Verbrauchern eine Orientierungshilfe bei ihrer Entscheidung für ein Versicherungsunternehmen. Die Experten der Agentur sind auch für die Medien gefragte Ansprechpartner, wenn es um die Sicherheit und Solidität von Versicherungsunternehmen geht.

Dr. Reiner Will, Geschäftsführer von Assekurata, erläutert im Gespräch mit dem Redaktionsteam der Hannoverschen die aktuellen gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Lebensversicherung im Allgemeinen und die Situation der Hannoverschen im Besonderen.

Die Finanzkraft eines Lebensversicherers rückt im aktuellen Niedrigzinsumfeld immer mehr in den Fokus und ist für Analysten eine zentrale Bewertungskategorie geworden. Was verbirgt sich dahinter?

Dr. Reiner Will: Bei der Analyse und Bewertung der Finanzkraft stehen vor allem drei Aspekte im Vordergrund, nämlich die Ertragslage, die Sicherheitsmittelausstattung und das Risikomanagement von Lebensversicherern. Bei der Ertragslage stellt sich die Frage, ob das Unternehmen aus seiner betrieblichen Tätigkeit heraus nachhaltig in der Lage ist, seine Zahlungsverpflichtungen bedienen zu können, dies betrifft vor allem die Garantieverzinsung.

Darüber hinaus kommt es aber auch darauf an, Investitionen, z. B. in die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, tätigen zu können. Die Prüfung der Sicherheitsmittelausstattung zielt darauf festzustellen, ob Lebensversicherer auch in extremen Marktsituationen genügend Eigenmittel zur Bedeckung ihrer Risiken haben. Beim Risikomanagement geht es im Wesentlichen darum, wie konsequent ein Versicherer seine Risiken erfasst und steuert.

Mit der Einführung von Solvency II ab 2016 ist eine grundlegende Umstellung zur Beurteilung der Risikotragfähigkeit eines Versicherers verbunden. Können Sie uns kurz die wesentlichen Änderungen erläutern, die mit Solvency II verbunden sind?

Dr. Reiner Will: Bis dato haben Versicherungsunternehmen ihre notwendige Eigenmittelausstattung nach recht pauschalen Verfahren berechnet. Nachteilig daran war, dass die Risiken aus der Geschäftstätigkeit nicht verursachungsgerecht, das heißt so wie sie am Markt und individuell beim Unternehmen auftreten können, bewertet wurden. Dies hat sich nun deutlich geändert.

Die unter Solvency II berechnete Solvenzquote signalisiert, ob Versicherungsunternehmen unter ökonomischen Marktwertbetrachtungen auch in Extremszenarien genügend Eigenmittel zur Bedeckung ihrer speziellen Risiken haben.

Viele Lebensversicherer in Deutschland werden im Zuge der Einführung von Solvency II sog. Übergangsmaßnahmen in Anspruch nehmen müssen. Wie steht die Hannoversche in dem Kontext da und wird sie aus Ihrer Sicht Übergangsmaßnahmen benötigen?

Dr. Reiner Will: Das Wort Übergangsmaßnahmen signalisiert schon, dass es sich um einen zeitlich befristeten Vorgang handelt, der dabei helfen soll, den Wechsel von der alten in die neue Solvenzanforderung zu überbrücken. Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) kann Lebensversicherern die Genehmigung erteilen, ihre versicherungstechnischen Rückstellungen nicht sofort auf Grundlage von Solvency II zu bewerten, sondern über einen Zeitraum von 16 Jahren schrittweise auf die volle Solvency-II-Bewertung überzugehen.

Dies ist insbesondere für Versicherungsverträge mit langfristigen Garantien von hoher Bedeutung, wie dies auf dem deutschen Markt gerade in der Lebensversicherung der Fall ist. Die Anwendung der Übergangsmaßnahme hilft, in der Übergangszeit die Solvenzquote zu erhöhen. Sie erschwert aber den Vergleich entsprechender Quoten zwischen den Gesellschaften. Es lässt sich nämlich nicht per se feststellen, ob die Quoten mit oder ohne Übergangsmaßnahmen berechnet wurden.

Die Übergangsmaßnahmen können allerdings nur auf die vorhandenen Bestände angewendet werden. Für das Neugeschäft gelten die strengen Solvency-II-Bewertungen sofort. Dies ist ein Grund dafür, warum Lebensversicherer zunehmend neue Produkte mit niedrigeren Solvenzanforderungen in den Markt bringen.

Im März 2016 hat die BaFin bekanntgegeben, dass mehr als 60 Lebensversicherern, und damit der Mehrzahl, eine Genehmigung für die Anwendung von Übergangsmaßnahmen erteilt wurde. Bis zum Mai 2016 mussten die Versicherer nämlich erstmalig ihrer Informationspflicht zu Solvency II gegenüber der Aufsicht nachkommen. Ab 2017 sind hierzu dann auch zahlreiche Informationen zu veröffentlichen.

Im Zuge unseres Ratingverfahrens hat uns die Hannoversche Leben bereits darüber informiert, dass sie die Solvenzanforderungen mehrfach überdeckt und das ohne Inanspruchnahme der Übergangsmaßnahmen.

Zur Erfüllung der Garantiezinsverpflichtungen aus bestehenden Lebensversicherungsverträgen müssen Lebensversicherer in Deutschland eine sog. Zinszusatzreserve bilden. Was bedeutet dies und wie stark ist die Hannoversche im Marktvergleich davon betroffen?

Dr. Reiner Will: Seit 2011 müssen die Lebensversicherer in ihren Jahresabschlüssen potenziellen Finanzierungslücken aus den niedrigen Kapitalmarktzinsen bei der Erfüllung der Garantieversprechungen entgegenwirken. Dies geschieht, indem der Deckungsrückstellung, d. h. den reservierten Kundenguthaben, zusätzliche Mittel zugeführt werden. Allerdings führt dies zu steigenden Aufwendungen in den Bilanzen. Marktweit wurden hierfür bereits mehr als 45 Milliarden Euro reserviert.

Auch die Hannoversche Leben hat hier Risikovorsorge betrieben. Relativ zur Branche sogar schon deutlich mehr. Während der Markt in etwa gut 20 % des geschätzten Bedarfs der Zinszusatzreserve gedeckt hat, liegt dieser Vorsorgeanteil bei der Hannoverschen schon mehr als doppelt so hoch.

Das Zinstief macht vor allem Lebensversicherern zu schaffen, die hohe Zinsgarantien aus alten Lebensversicherungsverträgen – insbesondere mit dem Garantiezins von 4 Prozent – erfüllen müssen. Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die Lage der Hannoverschen dar?

Dr. Reiner Will: Angesichts der tiefen Kapitalmarktzinsen fallen natürlich die hohen Garantiezinsen aus der Vergangenheit und hier speziell die 4-Prozenter besonders ins Auge und lassen eine besonders hohe Garantiezinsbelastung vermuten. Die Höhe des Garantiezinses ist aber nicht alleine entscheidend. Bedeutender ist hier noch die Dauer der Zinsverpflichtung.

Dabei ergeben sich bei der Hannoverschen Leben einige Besonderheiten. Die Gesellschaft war in den Jahren, in denen hohe Garantiezinsen gewährt wurden, besonders erfolgreich im Neugeschäft und hat demenentsprechend auch einen höheren Bestandsanteil an solchen Verträgen aufgebaut. Dabei handelt es sich überwiegend um Kapitallebensversicherungen. Diese weisen jedoch einen fixen Ablauftermin und damit eine vergleichsweise kurze durchschnittliche Restlaufzeit auf.

Der Anteil der langlaufenden Rentenversicherung ist im Bestand der Hannoverschen Leben entsprechend klein. Dazu hat vor allem eine Verlagerung der Geschäftsaktivität in Richtung der biometrischen Risiken beigetragen. Die Abhängigkeit von Kapitalmarktzinsen ist bei der Hannoverschen damit deutlich gesunken und im Marktvergleich deutlich unterdurchschnittlich. Dies schlägt sich dann auch in der aktuell sehr hohen Solvenzquote unter Solvency II positiv nieder.

In den Medien wird häufig negativ über eine niedrige Nettoverzinsung von Lebensversicherern berichtet. Deutet eine unterdurchschnittliche Nettoverzinsung grundsätzlich auf eine schwache Finanzkraft hin?

Dr. Reiner Will: Nein, dem ist heute nicht so, denn eine isolierte Betrachtung der Nettoverzinsung macht in der aktuellen Situation wenig bis gar keinen Sinn. Wie gesagt, viele Lebensversicherer müssen in Form der Zinszusatzreserve zusätzlich Risikovorsorge für die Garantiezinsverpflichtungen betreiben. Hierzu bedarf es entsprechender Erträge. Die laufenden Zinserträge der Kapitalanlagen reichen dazu bei vielen Gesellschaften alleine nicht aus.

Daher werden festverzinsliche Wertpapiere mit hohen Coupons veräußert und Kursgewinne realisiert. Dies erhöht dann die Nettoverzinsung, also das Verhältnis der realisierten Kapitalanlageerträge zum Buchwertbestand der Kapitalanlagen. Jedoch verschlechtert sich dadurch die laufende Verzinsung im Bestand denn hohe Coupons gehen verloren. Die Gelder werden dann zu niedrigeren Marktzinsen und zugleich auch meist höheren Risiken wieder angelegt.

Die Analyse ist hier also vielschichtig und bedarf auch interner Informationen, wie wir sie im Rahmen unserer Ratings vom Unternehmen zur Verfügung gestellt bekommen. Daraus lässt sich erkennen, dass die vergleichsweise niedrige Nettoverzinsung der Hannoverschen Leben darauf zurückzuführen ist, dass das Unternehmen bewusst darauf verzichtet, stille Reserven zu realisieren. Dahinter steckt eine zielgerichtete längerfristige Steuerung der Kapitalanlageerträge und der Zinsverpflichtungen.

Die Finanzkraft eines Lebensversicherers sollte laut einer Studie Ihres Hauses auch ein Kriterium bei der Anbieterauswahl von biometrischen Produkten, also einer Risikolebens- oder Berufsunfähigkeits-Versicherung sein. Können Sie das kurz erläutern?

Dr. Reiner Will: Biometrische Produkte, z. B. Risikolebens- oder Berufsunfähigkeits-Versicherungen werden mit Sicherheitszuschlägen kalkuliert. Hierdurch liegt der kalkulierte Brutto-Beitrag über dem Netto-Beitrag, das ist der Beitrag, den der Kunde zahlt. Die Differenz stellt eine Sofortgewinngutschrift dar. Sollte die Kalkulation jedoch nicht aufgehen, d. h. die tatsächlichen Leistungsfälle übersteigen die einkalkulierten Erwartungen, ist der Versicherer berechtigt, den Netto-Beitrag bis auf den kalkulierten Brutto-Beitrag anzuheben.

Hier gibt es allerdings ein Ansteckungsrisiko aus der Zinsmisere, also den niedrigen Kapitalmarktzinsen und den rückläufigen Zinserträgen. Denn im schwärzesten Fall könnten zum Beispiel auch Risikoüberschüsse aus der Berufsunfähigkeitsversicherung herangezogen werden, um Verluste im Kapitalanlagerergebnis zu decken. In einem solchen extremen Szenario müssten dann BU-Kunden Beitragserhöhungen verkraften zur Finanzierung von Garantierisiken. Wir empfehlen daher bei der Auswahl des Anbieters das Thema Finanzkraft immer mit unter die Lupe zu nehmen.

Sehen Sie bei der Hannoverschen die Überschussbeteiligung bei biometrischen Produkten als nachhaltig finanziert an?

Dr. Reiner Will: Wir haben im Rahmen unserer aktuellen Ratingüberprüfung, die zu einem exzellenten Rating führt, keine Indikatoren gefunden, die gegen eine nachhaltige Finanzierung sprechen. Die Hannoversche Leben verfügt gegenwärtig nach unserer Ansicht insbesondere über eine sehr gute Erfolgs- und eine exzellente Sicherheitslage.

Worin zeichnet sich die Hannoversche im Assekurata-Rating neben der exzellenten Sicherheitslage noch überdurchschnittlich aus?

Dr. Reiner Will: Drei Punkte möchte ich hier nennen: Servicequalität, Kundenzufriedenheit und Neugeschäftswachstum. Bei der Servicequalität fallen beispielsweise die Erreichbarkeit und die Kompetenz der Mitarbeiter überdurchschnittlich gut aus. Dies drückt sich in den von uns durchgeführten repräsentativen Kundenbefragungen in einer sehr hohen Kundenzufriedenheit und vor allem auch Kundenbindung aus. Dies spiegelt sich dann auch in einer der niedrigsten Stornoquoten im Markt wider.

Entgegen dem Markttrend wächst die Gesellschaft im Neugeschäft marktüberdurchschnittlich und dies vor allem in Produktsegmenten, die die Finanzkraft stärken.


Kategorien: Allgemein

Hinterlassen Sie einen Kommentar (Jeder Kommentar wird vor der Veröffentlichung durch die Hannoversche überprüft.)



* Pflichtfeld