Burnout Test: Wie erkennt man Burnout?

Es existieren viele Tests zur Burnout-Messung. Es werden meist Gruppen mit niedrigem und hohem Burnout verglichen sowie deren Symptome oder zeitliche Veränderungen untersucht. Allerdings lässt sich dieses Vorgehen nicht unbedingt von Gruppen auf Einzelpersonen übertragen.

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Schlüssige Antworten, ob ein bestimmter Wert nun tatsächlich mit einem deutlichen Burnout-Risiko oder einer Erkrankung einhergeht, liefert erst ein Test nach sehr viel strengeren Kriterien.

Leider gibt es häufig einige Tests, die zusätzlich einen beliebigen Wert beinhalten, der das persönliche Burnout-Risiko anzeigen soll. Jene Tests unterliegen der Willkür des Erfinders und sind daher nicht aussagekräftig.

Zu den fundierten Tests, die zutreffende Aussagen über das persönliche Burnout- Risiko geben können, zählen z. B. die Burnout-Screening-Skalen von Katja Geuenich und Wolfgang Hagemann (Hogrefe-Verlag) sowie das Hamburger-Burnout-Inventar von Matthias Burisch (Burnout-Institut Norddeutschland).

Die genannten Tests basieren auf rein psychologischen Verfahren zur Burnout- Messung. Daneben laufen bei Stress und Burnout in Ihrem Körper ebenfalls bestimmte Prozesse ab, die messbar sind. Das betrifft, je nach Burnout-Typ, unterschiedliche Bereiche. Somit kann man häufig nur schwer voraussagen, welcher Hormonspiegel sich wie verändert. Nur mit profundem Wissen über Ihre körperlichen Stressreaktionen können Sie mit professioneller Hilfe relevante Veränderungen aufdecken. Ihr Arzt kann ausschließlich durch Ihre Mitarbeit die Testergebnisse richtig interpretieren.

Eine Ausnahme ist die mit einem EKG ermittelbare sogenannte Herzratenvariabilität (HRV). In geschulten Händen und in Kombination mit psychologischen Tests stellt das Personal hier vergleichsweise leicht körperliche Veränderungen fest. Ebenfalls ist sie als Biofeedback-Methode geeignet. Jedoch sollten qualifizierte Personen diese Messungen durchführen und interpretieren, um falsche Schlussfolgerungen oder Informationsverlust zu vermeiden.

Als am besten geeignet erweist sich immer die Kombination aus psychologischen und biologischen Tests, da sie zusammen mit Wissen über die körperliche Stressreaktion wesentlich präzisere Aussagen zulassen. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, verschiedene Burnout-Typen zu unterscheiden (vgl. Kapitel 4 „Burnout ist nicht gleich Burnout“). Diese Charakterisierung erfolgt beispielsweise mit der Neuropattern- Diagnostik von Dirk Hellhammer – beziehbar über das Stresszentrum Trier.

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Prof. Dr. Burisch ist der Spezialist von Burnout-Erkrankungen in Deutschland und entwickelte einen umfangreichen Test zur Überprüfung des eigenen Burnout-Risikos. Laden Sie jetzt unser E-Book inklusive Burnout Test runter und finden Sie heraus, ob Sie gefährdet sind. Den vollständigen Test finden Sie in Kapitel 8, ab Seite 29.

Ein Burnout-Test auf die Schnelle

Das Zählen der Aussagen, die Sie mit ja beantworten können, ist nicht notwendig. Denn: Schon ein einziges Symptom aus der nachfolgenden Liste könnte ein erstes Alarmzeichen darstellen, über das es lohnt nachzudenken. Sie werden bemerken, dass alle Formulierungen Veränderungen beinhalten. Natürlich ist es auch bedenklich, wenn Sie schon Ihr ganzes Leben lang schwer abschalten konnten, wenn Sie schon immer schlecht geschlafen haben, ohne dass sich dieser Zustand letzthin verschlechtert hat. Aber wahrscheinlich haben Sie in diesem Fall schon früher Mittel und Wege gefunden, damit zu leben.

Bitte stellen Sie sich die Frage, ob sich etwas in letzter Zeit an Ihren beruflichen oder privaten Lebensumständen verändert hat. Helfen sollen Ihnen dabei die Fragen 16. bis 23.

Lassen Sie die folgenden Aussagen auf sich wirken. Überlegen Sie, ob die Aussagen auf Sie zutreffen oder nicht:

  1. Mir fällt es heute schwerer, nach der Arbeit abzuschalten.
  2. Ich habe seit einer Weile Hobbys eingeschränkt, weil mir die Zeit und Kraft dafür fehlen.
  3. Ich arbeite neuerdings deutlich mehr als mir lieb ist.
  4. Mein privater Bekanntenkreis hat sich verkleinert.
  5. Ich bin deutlich reizbarer geworden als früher.
  6. Ich hatte in letzter Zeit häufiger als früher das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst.
  7. Ich schlafe mittlerweile deutlich schlechter.
  8. Ich spüre häufiger als früher ein Gefühl der Erschöpfung, ohne körperlich gearbeitet zu haben.
  9. Ich fühle mich, anders als früher, nicht mehr allen beruflichen Anforderungen gewachsen.
  10. Meine Arbeit kommt mir zunehmend sinnlos vor.
  11. Ich habe immer mehr das Gefühl, mit der Arbeit nie fertig zu sein.
  12. Ich fühle mich zunehmend gehetzt.
  13. Ich empfinde einen steigenden Widerwillen gegen meine Arbeit.
  14. Mehr und mehr habe ich das Gefühl, für meine Anstrengungen zu wenig zurückzubekommen.
  15. Neuerdings können mir Kleinigkeiten den ganzen Tag verderben.
  16. Haben Sie einen neuen Chef bekommen, hat sich im Team etwas verändert? Gibt es Konflikte bei der Arbeit?
  17. Haben Sie (oder Partnerin/Partner) einen neuen Job angetreten, hat sich an Ihrer Position etwas verändert, haben Sie sich selbständig gemacht? Ist Ihnen gekündigt worden oder steht das bevor? Sind Sie in Rente gegangen? Unfreiwillig arbeitslos geworden?
  18. Hat sich für Ihr Unternehmen etwas geändert, z.B. veränderte Marktverhältnisse, Expansion oder Fusion?
  19. Haben Sie geheiratet, sich zusammengetan, sich getrennt; haben Sie ein Kind oder Enkelkind bekommen Schwangerschaft?
  20. Gab es in Ihrer Beziehung oder Ehe Streitigkeiten? Konflikte mit den Kindern oder anderen Familienangehörigen?
  21. Hat sich in der Familie etwas getan, ist z. B. jemand krank oder pfl egebedürftig geworden? Gestorben? Ist ein Kind in die Schule gekommen oder aus dem Haus gegangen?
  22. Haben Sie ein Haus oder eine Wohnung gemietet oder gekauft? Sind Sie umgezogen?
  23. Sind Sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten?

Auch wenn Sie bei den Punkten 1 - 15 überall mit dem Kopf geschüttelt haben (fragen Sie sicherheitshalber jemanden, der Sie gut kennt): Wenn etwas von den Punkten 16 - 23 zutrifft, dann sollten Sie sich in Zukunft gut beobachten (und beobachten lassen).

Es ist nämlich so: Veränderte Lebensumstände zwingen uns zu Anpassungsleistungen. Wir müssen Dinge tun, die uns neu sind, oder wir müssen vertraute Dinge anders tun als früher. Der berufliche Aufstieg, die Heirat, der Einzug in eine bessere Wohnung, das sind zwar erfreuliche Ereignisse, doch damit sind ebenso neue Anforderungen verbunden. Man muss ggf. erstmals führen, muss sich zusammenraufen oder mit neuen Nachbarn zurechtkommen. Das alles kann auch schiefgehen. Dabei können aus kleinen Anfängen mittelprächtige Krisen erwachsen.

Der hier verwendete Quick-Check erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Wenn Sie sich bezüglich Burnout ernsthafter den Puls fühlen wollen, gibt es einen wissenschaftlich fundierten Burnout-Test und viele Informationen kostenpflichtig auf https://www.burnout-institut.eu/Burnout-Test.8.0.html.

Eine Kurzform dieses Tests mit sparsamerer Rückmeldung finden Sie gratis auf http://www.cconsult.info/selbsttest/burnout-test.html.

Burnout-Checkliste: Testen Sie Ihr Arbeitsumfeld

Die folgenden Fragen sollen Ihnen helfen, Ihren Arbeitgeber hinsichtlich Burnout-Prävention zu überprüfen.

Burnout-Checkliste: Testen Sie Ihr Arbeitsumfeld
Aussage Ja Nein

Halten Sie Ihre Arbeitsanforderungen für zu hoch?

   

Empfinden Sie Ihren Gestaltungsfreiraum für ausreichend?

   
Bekommen Sie für Ihre Leistung genug Anerkennung und Unterstützung seitens Ihres Chefs oder Vorgesetzten?    
Können Sie Ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten?    
Sind Sie gezwungen, oft Überstunden zu machen?    
Sind Sie mit Ihren Arbeitsbedingungen zufrieden?    
Müssen Sie sich dauerhaft oder regelmäßig stressigen Situationen auf Arbeit stellen?    
Können Sie regelmäßig pausieren?    
Erkranken Sie vornehmlich am Wochenende oder im Urlaub?    
Arbeiten Sie mehr als 40 Stunden in der Woche?    
Legen Sie von sich aus nach längerer Arbeitsphase
Bewegungs- oder Entspannungspausen ein?
   
Ist das Arbeitsklima unter Ihren Kollegen gut und produktiv?    
Halten Sie Ihre Tätigkeit für sinnvoll?    
Müssen Sie Probleme meist allein lösen, statt im Team?    
Sind Sie hauptverantwortlich für einen bestimmten Arbeitsbereich?    
Stellen Sie sich gern neuen Herausforderungen?    
Haben Sie das Gefühl, Ihnen wachsen die Arbeitsaufgaben über den Kopf?    
Haben Sie die Möglichkeit, gesundheitsrelevante Fortbildungen
(in Bezug auf Stressbewältigung, Kommunikation oder
Zeitmanagement) in Anspruch zu nehmen?
   
Können Sie tätigkeitsrelevante Fortbildungen wahrnehmen?    
Haben Sie einen Ansprechpartner für Ihre gesundheitlichen
Belange (psychische Belastung, körperliche Probleme)?
   

 

Die Summe Ihrer positiven Antworten („Ja“) ist insofern relevant, dass Sie erkennen können, ob Ihr Arbeitgeber die gesetzlichen Vorgaben einhält und sich der Bedeutung von Burnout-Prävention bewusst ist oder nicht. Prüfen Sie selbst, an welcher Stelle Sie mit „Ja“ geantwortet haben. Wenn Sie zwar die Möglichkeit haben, regelmäßig Ruhepausen in Ihren Arbeitsalltag zu integrieren (Frage 08), sollten Sie diese auch wahrnehmen (Frage 11). Das heißt zunächst liegt es an Ihnen, die gegebenen Gesundheitsförderungen auszukosten. Liegen diese stattdessen nicht vor (Frage 03, 05 oder 13), ist das Gespräch mit dem Vorgesetzten zu suchen. Wie in Kapitel 5.6. dargelegt, ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, Maßnahmen zur Vorbeugung von chronischen Krankheiten zu ergreifen.

Falls Ihnen ein Ansprechpartner für gesundheitliche Belange zur Verfügung steht, sollten Sie diesen bei zu hoher psychischer Belastung oder gesundheitlichen Problemen, die im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit stehen, aufsuchen. Sprechen Sie Ihre Empfindungen und Probleme an und lassen Sie sich beraten.

Die Fragen zum Arbeitsumfeld erheben keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Sie sollen Ihnen aufzeigen, wo in Ihrem Berufsalltag Lücken und Probleme herrschen, welche letzten Endes zu einem Burnout führen können. Jede Ja-Antwort sollte Ihnen Aufschluss über Ihre aktuelle Situation geben und gleichzeitig ein Denkanstoß sein, wo eine Änderung herbeizuführen ist.

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