Burnout ist nicht gleich Burnout

Stress löst eine körperliche Reaktion aus, um Belastungen zu bewältigen. Sie ist im Notfall sogar überlebenswichtig. An der Stressreaktion beteiligen sich die wichtigsten und größten Nervenfasern sowie Botenstoffe und Hormone. Ihr Ziel ist u.a. die Sicherstellung der Energie- und Sauerstoffversorgung unter großen Belastungen. Dies erfolgt beispielsweise über die Beschleunigung des Herzschlags, die Mobilisierung von Energiereserven und die stärkere Durchblutung der Muskeln. Gleichzeitig werden andere Funktionen gehemmt. Hierzu zählt z. B. die Verdauung.

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Je nach individueller Veranlagung kann es bei Ihnen bei starkem oder chronischem Stress zur Veränderung von Teilen dieser körperlichen Systeme kommen. Die für den Körper wichtige Stressreaktion funktioniert dann nicht mehr optimal und eine Unterversorgung bestimmter Bereiche tritt ein.

Am Anfang habe ich diesen Zustand noch als cool empfunden. Ich dachte, "ja klasse!", so reagieren echte Profis. Inzwischen irritiert mich dieses dauerhaft vorhandene Gefühl, meine Umwelt nur noch durch Milchglas wahrzunehmen.

Janine S. aus G.

Verschiedene Personen reagieren auf denselben Stress sehr unterschiedlich. Ähnliches gilt auch für die Veränderungen der körperlichen Stressreaktion. Bei einigen Menschen verläuft auch bei starkem Stress alles optimal. Andere werden zunehmend sensibler, scheinen permanent angespannt zu sein oder reagieren unangemessen aufbrausend. Wieder andere wirken gar lethargisch. Der Grund dafür besteht darin, dass sich verschiedene Systeme des Körpers bei einer Stressreaktion auf unterschiedliche Art und Weise verändern. Manche Teile entwickeln eine übermäßige Reaktionsbereitschaft, andere sind zu wenig aktiv, um den Körper optimal zu versorgen. Genau das trifft auch auf Burnout zu.

Das Wissen über die körperliche Stressreaktion differenziert unterschiedliche Typen von Burnout. Obwohl sich alle Betroffenen erschöpft und ausgebrannt fühlen, gibt es Abweichungen in anderen Symptomen und Merkmalen. Ausschnittsweise werden drei, durch Stress veränderte Körpersysteme geschildert, die die unterschiedlichen Burnout-Typen charakterisieren.

Der Burnout-Prototyp

Mit dem vermutlich am häufigsten vorkommenden Burnout-Typus bildete sich der – allerdings nicht für alle Typen gültige – Ausspruch: „Wer ausgebrannt ist, hat zuvor auch gebrannt“. Dieser Typ scheint dadurch gekennzeichnet zu sein, viel Ehrgeiz und Engagement zu zeigen. Häufig wirkt er angespannt und kann nicht abschalten. Bildlich gesprochen: Wer permanent aufs Gas drückt und nicht genügend Zeit für das Auftanken aufwendet, steht irgendwann mit leerem Tank da.

Ich wusste nur, so wie jetzt kann es nicht weitergehen, ich gehe sonst kaputt! Es muss sich etwas ändern...

Susanne W. aus I.

Das betrifft hier den Neurotransmitter Noradrenalin. Bei diesem Typ entleeren sich irgendwann die Speicher des besagten Botenstoffs. Während der Stressphasen bemerkt der Betroffene das meist nicht, da der Körper in seinem Alarmzustand die Produktion antreibt. Sobald er jedoch zur Ruhe kommt, wird der Mangel sichtbar. Gehören Sie zu diesem Burnout-Typus, fühlen Sie sich dann bei Pausen erheblich erschöpft und schlafen spontan z. B. vor dem Fernseher ein. Sie leiden vermehrt unter Kopfschmerzen und haben mit Erkältungen gerade am Wochenende oder im Urlaub zu kämpfen. Häufig treten auch Magen-Darm-Probleme auf. Falls Sie zu den Betroffenen zählen, benötigen Sie ein besonderes Zeitmanagement, um „den Tank nicht leer gehen zu lassen“. Zusätzlich sollten Sie sich um eine tyrosinreiche Ernährung bemühen.

Definition: Tyrosinreiche Ernährung

Besonders viel Tyrosin ist z. B. in Käse, Milch, Erbsen, Erdnüssen und Sojaprodukten enthalten. Tyrosin können Sie auch durch Nahrungsergänzungsmittel am besten morgens und auf nüchternen Magen zu sich nehmen. Vorgehen, Dosierung, Neben- und Wechselwirkungen sollten Sie am besten mit Ihrem Arzt besprechen.

Der zweithäufigste Burnout-Typ

Dieser Burnout-Typ wird mit einem körpereigenen System in Verbindung gebracht, welches auch bei Depression eine große Rolle zu spielen scheint. Der Botenstoff heißt Serotonin. Das System kann sich durch starken oder dauerhaften Stress des Betroffenen, Stress in der frühen Kindheit oder durch eine entsprechende Veranlagung in seiner Funktionsweise verändern. In solch einem Fall würden bei Ihnen unterschiedliche Merkmale in Erscheinung treten:

  • Rückzug bis hin zur Isolation
  • Anzeichen von Depression
  • Angst
  • Gedächtnisprobleme
  • innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • häufiges Auftreten von Schwindel oder Darmbeschwerden
  • Heißhunger auf Kohlenhydrate und Süßigkeiten, bei zu hohem Verbrauch des Botenstoffs (Mangelausgleich)

Bei letztgenannter Erscheinung hilft Ihnen eine tryptophanreiche Ernährung. Zu weiteren Hilfen zählen eine aktive Freizeitgestaltung, Gruppenaktivitäten und genussvolle Momente.

Definition: Tryptophanreiche Ernährung

Besonders viel Tryptophan ist z. B. in Käse, Lachs, Sojabohnen, Cashew-Kernen, Erdnüssen, Haselnüssen, Mandeln und Haferflocken enthalten. Tryptophan können Sie auch durch Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Vorgehen, Dosierung, Neben- und Wechselwirkungen sollten Sie am besten mit Ihrem Arzt besprechen.

Weitere Burnout-Typen

Schließlich existiert noch ein weiteres System, welches weitreichende Auswirkungen auf Organe und Zellen hat. Dabei spielt das Hormon Cortisol als bekanntester Botenstoff dieses Burnout-Typen eine wesentliche Rolle. Einerseits leistet es dem Körper Hilfe beim Umgang mit Stress und stellt energiereiche Verbindungen bereit. Andererseits entstehen bei einer Störung des Systems vielfältige Probleme: Sie leiden unter häufigem Grübeln, Energielosigkeit und Schlafproblemen. Zusätzlich können bei Ihnen vermehrt Infekte, Muskelschwäche oder auch Diabetes mellitus auftreten.

Bei diesem Typ messen Ärzte oftmals erhöhte Cortisol-Werte, die bei anderen Veränderungen des Systems jedoch nicht auftreten. Daher muss Ihr Arzt Sie unbedingt auf andere Erkrankungen untersuchen, welche z. B. die Cortisol-Produktion beeinflussen. Je nachdem, wie die Veränderungen im System genau aussehen, kommen für Sie unterschiedliche Maßnahmen in Betracht. Ein erster, wichtiger Schritt, den Sie gehen müssen, besteht darin, Ihre Sorgen und grüblerischen Gedanken zu reduzieren.

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