Wie die betriebliche Altersvorsorge die gesetzliche Rente erhöht

18. November 2015 | Autor: Redaktionsteam Hannoversche | Kommentare: 0 | Bewertung: Bitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung ab (3)

Betriebliche Altersvorsorge

Gastbeitrag von Reinhard Klages (VersicherungsJournal)

Wer im Alter seinen Lebensstandard halten will, der muss selbst vorsorgen. Diese Erkenntnis hat sich inzwischen herumgesprochen. Die übermäßig kritische Berichterstattung über Lebensversicherungen verunsichert dabei seit Jahren die Verbraucher, die dringend vorsorgen müssten. Wer im Alter von der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) abhängig ist, kann aus heutiger Sicht im Schnitt kaum mit mehr als 800 Euro Monatsrente rechnen. Das entspricht dem Grundsicherungsniveau.

Wer aus Angst vor unzureichenden Zinserträgen nicht vorsorgt, hat einen Zinsertrag von null Prozent und damit auch ein zur Verfügung stehendes Kapital zur Aufstockung der gesetzlichen Rente von null Euro. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Vorsorge keinen Zinsertrag brächte, stünden bei 100 Euro Monatsbeitrag und 30 Jahren Laufzeit wenigstens die 36.000 Euro Ansparleistung zur Aufstockung der gesetzlichen Rente zur Verfügung. Bei einer Verzinsung von 1,25 Prozent läge das angesparte Kapital bei 43.648 Euro. Ab etwa 4,20 Prozent Verzinsung hätten sich die eingezahlten Beträge in Höhe von 36.000 Euro verdoppelt.

Natürlich kann man auch anstreben, die Rendite seiner Vorsorge zu steigern. In diesem Zusammenhang wird gern von Renditechancen gesprochen. Wer mehr Rendite wolle müsse einfach höhere Risiken eingehen. Dabei gilt es zu bedenken, dass Risiken nur eingehen sollte, wer auch Risiken tragen kann. Und mit Aktien, Gold oder Immobilien haben sich schon viele Anleger ordentlich verzockt.

Die betriebliche Altersvorsorge als Alternative

Die Altersvorsorge steht unter massivem Druck der Niedrigzinsen und der eher sozialistisch orientierten Politik. Doch die drohende Altersarmut kann über Lebensversicherungsprodukte bekämpft werden. Neben kapitalbildenden Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen, die wir beim VersicherungsJournal Verlag im Rahmen des Map-Report ausführlich untersuchen, ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV) eine weitere Möglichkeit.

Vom Bruttolohn wird dabei ein vorher festgelegter Betrag von maximal 4 Prozent des Gehalts und bis zu 2.904 Euro jährlich angelegt. Steuern und Sozialabgaben werden für den Arbeitnehmer auf diese Summe nicht fällig. So kann der Sparer doppelt profitieren, denn er sorgt für das Alter vor und spart gleichzeitig Steuern. Unter bestimmten Voraussetzungen können zu diesem Betrag zusätzlich maximal 1.800 Euro hinzukommen, die dann ebenfalls steuerfrei bleiben.

Das bringt die betriebliche Altersvorsorge dem Arbeitgeber

Auch für Arbeitgeber kann sich die betriebliche Altersvorsorge lohnen, da auf die gesparte Summe keine Abgaben fällig werden und somit für ihn die Lohnnebenkosten sinken. Manche Firmen zahlen ihren Beschäftigten etwas mehr zur betrieblichen Altersvorsorge dazu, beispielsweise um einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Fachkräfte zu erlangen.

Eine gesetzliche Verpflichtung dafür besteht für Arbeitgeber jedoch nicht. Wer in Rente geht, bekommt den gesamten Betrag ausbezahlt – sei es als Einmalzahlung oder in monatlichen Raten. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass auf die angesparte Summe nachträglich Steuern und Sozialabgaben fällig werden.

Für wen ist die betriebliche Altersvorsorge sinnvoll?

Für Durchschnittsverdiener, die in die betriebliche Altersvorsorge ohne finanzielle Unterstützung des Arbeitgebers einzahlen, können flexiblere private Vorsorgealternativen dadurch attraktiver werden.

Für Geringverdiener ist das bAV-Modell hingegen oft die einzige Möglichkeit überhaupt für das Alter vorzusorgen. Denn während dieser Personenkreis netto kaum zum Sparen in der Lage ist, wird brutto wenigstens ein kleiner Betrag zurückgelegt.

Alle Gerechtigkeitsdiskussionen mal außen vor gelassen, kann dieses Modell für Besserverdienende besonders attraktiv sein. Denn nur bis zu einem Jahresbruttoeinkommen von 49.500 Euro werden zusätzliche Abgaben zur Krankenversicherung fällig. Und nur bis zu einem Bruttojahresgehalt von 72.600 Euro in Westdeutschland und 62.400 Euro in Ostdeutschland fallen weitere Abgaben auf die Rentenversicherung an. Danach sieht der Gesetzgeber keine weiteren Steigerungen vor.

Maßgeblich ist jedoch nicht ausschließlich das Einkommen des Sparers, sondern auch der Anteil des Arbeitgebers. Übernimmt die Chefetage die gesamten Beiträge zur Altersvorsorge oder zumindest einen großen Teil, dann kann sich die betriebliche Altersvorsorge unabhängig vom Verdienst des Angestellten lohnen. In diesem Fall wäre eine Betriebsrente auch mit einem mittleren Einkommen und sogar für ältere Arbeitnehmer sinnvoll.

 

Reinhard Klages ist 44 Jahre alt und Chefredakteur beim VersicherungsJournal. Vor der Übernahme des Brancheninformations-Dienstes Map-Report durch den Verlag war Klages stellvertretender Redaktionsleiter. Der studierte Betriebswirt ist langjähriger Mitarbeiter bei Map-Report.

 

Quelle: Bild oben © DOC RABE Media – Fotolia.com


Kategorien: Allgemein

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