Versicherungsschutz im Ehrenamt – wie sich Menschen sicher für die Gesellschaft engagieren

6. September 2013 | Autor: Redaktionsteam Hannoversche | Kommentare: 0 | Bewertung: Bitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung abBitte geben Sie Ihre Bewertung ab (1)

Ehrenamt

Keine großen Vorsätze fassen, sondern mit kleinen Taten beginnen. Mehr als das tun, was unsere Pflicht ist – Menschen, die sich ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren, leisten einen Dienst, der mit Geld nicht zu bezahlen ist. Aber was genau bedeutet es, ein Ehrenamt zu übernehmen, und wie ist das eigentlich mit der Versicherung im Schadenfall?

Im ursprünglichen Sinne ist das Ehrenamt ein ehrenvolles, freiwilliges Amt, dass sein Träger übernimmt, ohne dafür Geld zu verlangen. Obwohl eine Entlohnung im Ehrenamt nicht vorgesehen ist, ist es aber durchaus üblich, dass Entschädigungen für Aufwendungen wie zum Beispiel Anfahrt oder Auslagen geleistet werden. Heute ist der Begriff Ehrenamt nahezu gleichbedeutend mit dem der Freiwilligenarbeit oder des bürgerschaftlichen Engagements. Jeder kann sich engagieren. Neben den klassischen Aufgaben im Vorstand von Vereinen, in der Leitung von Gruppen, im Gemeinderat oder der freiwilligen Feuerwehr engagieren sich auch Menschen ohne jedes „Amt“ in verschiedenen Projekten, Gemeinden oder in der Nachbarschaft. Längst ist das Verständnis ehrenamtlicher Tätigkeiten also losgelöst vom öffentlichen Amt.

Allein in Deutschland engagieren sich mehr als 20 Millionen Menschen in den verschiedensten Bereichen von Vereinigungen, Initiativen und Institutionen. Darunter sind Menschen jeder Altersgruppe: Jugendliche, Menschen mittleren Alters und Rentner. Ohne dieses freiwillige Engagement würden viele Projekte im sozialen und öffentlichen Leben nicht existieren. In Bereichen, in denen Hilfe notwendig ist, bringen sich Menschen ein und leisten uneigennützig Dienst mit und für Menschen. So scheint es, als heile das Ehrenamt das System. Der Staat hat die Bedeutung freiwilliger Arbeit in gemeinnützigen Organisationen längst erkannt und drückt diese Anerkennung mit verschiedenen Förderungen aus:

  • Steuerfreie Aufwandsentschädigungen
  • Gesetzliche Unfall-und Haftpflichtversicherungen für Ehrenämtler
  • Offizielle Auszeichnungen

Die zentralen Kriterien eines Ehrenamtes sind Freiwilligkeit, Orientierung am Gemeinwohl und der Verzicht auf ein Entgelt. Einschränkend lässt sich sagen: Einige Ehrenämter sind nur bedingt freiwillig. So kann ein ehrenamtlicher Richter oder Schöffe seinen Dienst nur bei gravierenden Gründen ablehnen. Die meisten ehrenamtlichen Aufgaben erfüllen jedoch alle drei Kriterien. In vielen Bereichen finden sich Menschen, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig sind. Sport, Kultur, Musik, Freizeit, Gesundheit, Soziales, Schule, Kindergarten, Bildungsarbeit, Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Politik, Kirche, Rettungsdienste und wirtschaftliche Selbsthilfe – das sind nur einige der Bereiche unserer Gesellschaft, die in dieser Form nicht denkbar wären ohne die vielen Menschen, die ihre freie Zeit opfern, um etwas für andere zu tun.

Wussten Sie, dass sich die meisten Ehrenämtler im Bereich Kinder- und Jugendförderung engagieren – die wenigsten in der Politik?

Ehrenämter – die Stützen der Gesellschaft

Das Gemeinwesen ist schon lange nicht mehr in der Lage, auf das tatkräftige Mitwirken ehrenamtlicher Arbeitskräfte zu verzichten. Es ist jeder dritte Deutsche, der neben dem Beruf, der Schule, dem Studium oder in Vollzeit freiwilligen Dienst leistet. Ohne diese Menschen würden sich einfache unkomplizierte Hilfe, zwischenmenschliche Wärme und die meisten Freizeitangebote auf ein Minimum reduzieren – die Gesellschaft wäre ohne diese Menschen bedeutend ärmer. Ein besonders prägnantes Beispiel dafür sind die Tafeln in jeder größeren Stadt, die Archen und die vielen Kirchengemeinden und Vereine – Bereiche, aus denen der Staat sich vor langer Zeit völlig zurückgezogen hat und eine Lücke, die das Ehrenamt schließt. Doch bedeutet dieses zuverlässige ehrenamtliche Engagement, dass der Staat damit aus seiner Verantwortung entlassen wird? Bedeutet die Arbeit der Tafeln, dass das Recht auf Grundversorgung nur noch durch freiwillige Arbeit garantiert wird?

Irgendwann ist es an der Zeit, dass der Staat wieder selbst eintritt und solche Bereiche regelt. Die frühen ehrenamtlichen Arbeitsfelder Jugendarbeit, Drogenbekämpfung, Aids-Beratung wurden schon zu Teilen wieder institutionalisiert. Fachkräfte sind in manchen Bereichen unverzichtbar und diese verlangen einen fairen Lohn. Aber das bedeutet noch nicht, dass Ehrenämter immer nur als temporäre Lückenfüller zu betrachten sind, die sich in Problembereichen einsetzen, bis sich der Staat dieser wieder selbst annimmt. Das Ehrenamt ist nicht zu ersetzen und nicht alles lässt sich professionalisieren. Menschen werden immer da bereit sein, sich zu engagieren, wo sie erkennen, dass sie die Gesellschaft mitgestalten können. Sie zeigen auf die Bereiche, wo der Staat versagt hat und weisen auf Handlungsbedarf hin.

Wussten Sie schon, dass 71 % der Deutschen in Vereinen, Organisationen, Gruppen oder öffentlichen Einrichtungen aktiv sind?

Möglichkeiten und Motive – was treibt Menschen an, die ein Ehrenamt übernehmen?

Die Möglichkeiten, sich für Dinge zu engagieren sind unzählig. Im Kindergarten vorlesen, Projekte mit Jugendlichen starten, Sanitätsdienst oder freiwillige Feuerwehr, ältere Menschen bei Behördengängen begleiten – diese Liste lässt sich beliebig erweitern. Die meisten Menschen übernehmen ein Ehrenamt, weil gerade dieser Bereich ein persönliches Anliegen für sie ist. So setzten sich Menschen, die die eigene Altersarmut fürchten eher für Projekte ein, die dieser entgegenwirken. Entscheidend ist nicht, ob ein Ehrenamt dauerhaft ausgeübt wird oder temporär – wie das Begleiten von Jugendfreizeiten im Sommer oder das Spendensammeln auf dem Weihnachtsmarkt. Wichtig und allen Ehrenämtern gemeinsam ist: Besser einen Schritt gehen, als über 1.000 Schritte nachzudenken. Und am Ende sind es immer drei Parteien, die profitieren: Der Ehrenamtler, die Menschen, die Unterstützung finden und nicht zuletzt der Staat.
Es drängt sich die Frage auf, was Menschen antreibt, die Zeit und Energie opfern, um etwas zu bewegen. Grundlegend ist ehrenamtliche Arbeit eine Form des prosozialen Handelns. Trotzdem haben die Menschen gewiss unterschiedliche Motive. Nicht immer ist das Allgemeinwohl einziger Beweggrund für ein Ehrenamt. Erfahrungen sammeln, soziale Einbindung, Steigerung des Selbstwertgefühls, Anerkennung erhalten, Abbau von Schuldgefühlen, Ablenkung von eigenen Problemen – das alles können Gründe sein, sich freiwillig zu engagieren.

Welche Tätigkeit den eigenen Wünschen am besten gerecht wird, muss jeder für sich selbst herausfinden. Dabei sollte man auch auf die Anforderungen des Tätigkeitsfeldes achten. Sind Fremdsprachen, ein Führerschein oder besondere handwerkliche Fertigkeiten gefordert? Eine Auswahl an Möglichkeiten für ehrenamtliche Arbeit bieten Agenturen und Vermittlungsstellen. Wer sich engagieren will, findet die passende Möglichkeit für sich und wird dort mit offenen Armen empfangen.

Wussten Sie, dass viele Organisationen auch Freiwilligenarbeit im Ausland anbieten?

Ehrenamt trotz Job, Schule oder Studium?

Vollzeit berufstätig, mitten im Abschluss oder im Unistress und in der Freizeit ehrenamtlich engagiert? Sicher ist das ein Balanceakt, der nicht einfach von selbst gelingt. Gerade bei Schülern und Studenten ist die Bereitschaft, freiwillig Aufgaben zu übernehmen gesunken. Abitur nach nur zwölf Schuljahren, die Umstellung auf den Bachelor/Masterstudiengang – es muss immer schnell gehen, die Zeit muss effektiv genutzt werden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dabei sind ehrenamtliche Helfer so wichtig für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Die einzige Ressource, die Sie benötigen, ist Zeit. Viele Arbeitgeber haben längst den Wert ihrer Mitarbeiter erkannt, die sich neben dem Job für etwas engagieren und geben Ihnen größere Freiräume. Menschen mit Idealen, die sich voll und ganz einbringen und sich zudem besonders gut organisieren können – welcher Chef wünscht sich nicht solche Soft Skills von seinen Angestellten. Zudem fällt es Ehrenamtlern deutlich leichter, ihre Work-Life-Balance zu finden.

Wussten Sie schon, dass der durchschnittliche Zeitaufwand für eine ehrenamtliche Tätigkeit bei bis zu 5 Stunden pro Woche liegt?

Gut versichert im Ehrenamt

Wer anderen hilft und etwas Sinnvolles tun möchte, sollte dabei nicht die wichtigsten Überlegungen zur eigenen Absicherung vergessen. Was passiert, wenn ich mich bei der ehrenamtlichen Tätigkeit verletze? Wer kommt dafür auf, wenn ich etwas beschädige oder Personen durch mein Verschulden zu Schaden kommen? Das sind Fragen, die sich jeder stellen sollte, der ehrenamtlich arbeiten möchte. Zumindest den Schutz durch zwei grundlegende Versicherungen sollten Sie sicherstellen:

  • Eine Unfallversicherung schützt vor Risiken, die aus den Folgen von Unfällen des Ehrenamtlichen entstehen können.
  • Eine Haftpflichtversicherung bietet Schutz vor finanziellen Risiken, die aus einem Schaden entstehen, die der Ehrenamtler verursacht.

Zwar regelt der Staat in den meisten Fällen einen gesetzlichen Versicherungsschutz für Ehrenamtler. Doch ist hier Vorsicht geboten: Nicht immer ist der nötige Versicherungsschutz wirklich gegeben. Nicht alle Ehrenämter sind Kraft Gesetz unfallversichert. Dabei sollte der notwendige Versicherungsschutz für alle Beteiligten ein wichtiges Thema sein. Bei jeder ehrenamtlichen Tätigkeit können Unfälle passieren und der freiwillige Helfer kann Schaden verursachen. Die Frage zu Beginn der Tätigkeit muss immer lauten: Wie bin ich gegen Schaden an Körper und fremdem Eigentum versichert?

Das Land NRW und einige andere Bundesländer haben eine Unfall- und Haftpflichtversicherung für alle die abgeschlossen, die nicht anderweitig geschützt und in freien Initiativen und Selbsthilfegruppen tätig sind. Diese Versicherung schützt bei Unfällen im Rahmen der Tätigkeit sowie auf dem Hin- und Rückweg. Besonders eingetragenen Vereinen und Stiftungen wird empfohlen, eine eigene Haftpflichtversicherung abzuschließen. Ehrenamtler in Rettungsunternehmen, in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen, deren Verbänden und Arbeitsgemeinschaften, im Bildungs- oder Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege sind gesetzlich versichert. Kirchliche Einrichtungen müssen ihren Schutz im Einzelfall prüfen und unter Umständen selbst aktiv werden. Wichtig ist dabei, dass eine private Haftpflichtversicherung nicht in jedem Fall greift. Vereine sollten daher unbedingt eine Vereinshaftpflichtversicherung abschließen.

Checkliste für den Einstieg ins Ehrenamt

Wenn Sie sich dafür entscheiden, sich ehrenamtlich in einem Bereich zu engagieren, der Ihnen am Herzen liegt, stehen Ihnen viele Türen offen. Vor Beginn Ihrer Tätigkeit sollten Sie sich jedoch Gedanken darüber machen, was Sie von der Arbeit erwarten und was Sie zu leisten bereit sind. In einem ersten Gespräch mit der zuständigen Stelle lassen sich viele wichtige Punkte im Voraus klären. Diese Checkliste gibt Ihnen wichtige Anhaltspunkte für Fragen, die Sie sich und Ihrem Gegenüber unbedingt stellen sollten:

Umfang der Tätigkeit:

  • Was sind meine Aufgaben?
  • Wie viele Stunden kann ich aufbringen?
  • Über welchen Zeitraum möchte ich mich engagieren?
  • Welche Freiheiten/Befugnisse habe ich in dieser Tätigkeit?

Begleitung während des Ehrenamts:

  • Wer ist verantwortlich für meinen Aufgabenbereich?
  • Wer kann mich unterstützen?
  • Wer ist mein Ansprechpartner bei Rückfragen?

Einarbeitungszeit:

  • Wer arbeitet mich ein? Wie lange?
  • In welchen Bereichen werde ich eingearbeitet?
  • Gibt es Fortbildungsmöglichkeiten? Wer trägt die Kosten?

Kosten:

  • Welche Kosten werden mir erstattet (Anfahrt, Aufwand etc.)
  • Erhalte ich bei Verzicht auf meine Aufwandsentschädigung eine Spendenquittung?

Versicherungsschutz:

  • Ist eine Unfallversicherung vorhanden?
  • Bin ich in diesem Bereich haftpflichtversichert?
  • Benötige ich weitere Versicherungen?
  • Was muss ich im Schadenfall wissen? An wen muss ich mich wenden?

So sind Sie gut vorbereitet auf Ihre neue Herausforderung Ehrenamt und einer erfüllenden Tätigkeit ohne böse Überraschungen steht nichts mehr im Weg.

Betätigen Sie sich ehrenamtlich? Was bewegt Sie dazu?
Für welche Organisationen, Vereine, Verbände engagieren Sie sich?
Was gibt Ihnen das Ehrenamt zurück?

 

Quelle: Bild oben © Coloures-pic – Fotolia.com


Kategorien: Allgemein

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